Foto©Sander van der Borch
Johan und Hanno sind bei der 29er-Weltmeisterschaft vor Kiel U17-Weltmeister geworden. Im Mai wurde das Team beim 29er-EuroCup in Aarhus schon Zweite der U17-Männerwertung. Jetzt machten der 15-jährige Johan und sein 14-Jahre alter Vorschoter Hanno noch einen Schritt weiter und ließen auf der Kieler Förde alle anderen 74 U17-Starter hinter sich. Im Olympiahafen in Schilksee trafen sich insgesamt 276 Boote aus 35 Nationen zur bislang größten Weltmeisterschaft der 29er-Klasse.
Bei der WM vor Kiel lief es von Tag eins an richtig gut für das junge Team. An den sechs WM-Tagen fanden die rund 550 Seglerinnen und Segler nahezu alles vor: Sonne und Wolken, Wärme und Regen, Starkwind an den ersten Tagen und drehenden Leichtwind am letzten Tag. So wurde den Teilnehmern alles abverlangt.
In den Qualifikationsrennen segelten Johan und Hanno konstant starke Top-Ten-Platzierungen und qualifizierten sich so für die Goldfleet der besten 50 Teams. Damit war der erste Meilenstein geschafft. Die Aussicht, auf jeden Fall zu den fünf besten Teams der U17-Wertung zu gehören, beflügelte Johan und Hanno zusätzlich. In den Finalrennen an den letzten drei Tagen vermieden sie allzu große Ausreißer nach unten, womit am Ende Gesamtrang 21 und damit der erste Platz in der U17-Wertung zu Buche stand. Allerdings wurde es am letzten Tag noch einmal spannend, da die U17-Konkurrenz bei leichterem Wind aufholte und das Punktepolster auf zuletzt 5 Zähler zusammenschrumpfen ließ. Der Baden-Württemberger Pollux Arnold vom WYC mit seinem Vorschoter Moritz Lichtwehr vom SVS sorgten für einen deutschen Doppelsieg in der U17-Wertung. Komplettiert wurde das Podium durch Ethan Kiu und Louis Polson aus Hongkong. Den Gesamtsieg holten sich Alexandre Mostini und Raphael Allain aus Frankreich vor dem ehemaligen schwedischen Opti-Weltmeister Henric Wigforss mit William Drakenberg und den Kieler Woche-Siegern Felix Llauro und Lucas Cozar aus Argentinien. Ein sehr gutes Ergebnis erzielte auch NRV-Youth-Team-Mitglied Jasper Winter mit seinem Steuermann Julius Springer vom Kieler Yacht-Club als 52. Sie verpassten zwar ganz knapp die Goldfleet, wurden aber dennoch achtbestes deutsches Team.
So richtig begreifen konnten Johan und Hanno ihren Triumph nach der Rückkehr an Land nicht. Laut Hanno war es „Tricky mit dem ablandigen Wind und der hohen Böentendenz.“ „Wir sind total überwältigt und wissen gar nicht, was wir sagen sollen“, meinte Johan. Nach der Siegerehrung wurden die frisch gebackenen U17-Weltmeister unter lautem Gejohle ins Hafenbecken von Schilksee geworfen. Tropfnass und mit leuchtenden Augen sagte Johan anschließend: „Das fühlt sich einfach super an, wir haben damit nicht gerechnet. So ganz realisiert haben wir das noch nicht. Es ist einfach cool, dass wir das auf unserem Heimatrevier geschafft haben.“ Hanno ergänzte: „Die Gegner waren sehr stark, vor allem in der Goldflotte hatten wir ordentlich zu kämpfen, es dann trotzdem zu schaffen ist Wahnsinn!“
Seit knapp zwei Jahren trainieren Johan und Hanno in Kiel bei Patrick Böhmer und seinem Trainerteam mit der weltweit größten 29er-Trainingsgruppe. Johan und Hanno sehen darin den entscheidenden Erfolgsfaktor: „Wir haben hier einfach ein gutes Trainerteam, das uns dauerakribisch und gut vorbereitet und uns auch in schwierigen Situationen immer unterstützt hat. Dafür wollen wir uns ganz besonders bedanken! Dazu pushen wir uns in der Gruppe immer gegenseitig und kennen natürlich unser Heimatrevier. Es hat uns sehr geholfen, dass wir hier viel trainiert haben.“