Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer werden Fünfte bei der Weltmeisterschaft der 49erFX in Cagliari. Richard Schultheis und Fabian Rieger beenden ihre erste gemeinsame WM im 49er als Zehnte und beste deutsche Männer-Crew. Beide Teams vom NRV Olympic Team segeln vor Sardinien in der absoluten Weltspitze mit – bei einer Premiere mit neuem Finalformat.
Die WM vor Poetto Beach war mehr als eine Titelentscheidung. Erstmals testete World Sailing ein Format, das den Spagat zwischen sportlicher Fairness und Medienspannung schaffen soll: Nach den Fleetraces ein „Gold Fleet Umpired Race" der besten 20 Boote, nicht streichbar. Danach ein „4-Punkt-Finale" nur noch mit den Top-Vier; dadurch ist alles offen bis zum Schluss: Wer das Finale gewinnt, wird Weltmeister. Kein Team kann mehr als einen Platz verlieren.
Sophie Steinlein und Catherine Bartelheimer segelten eine Woche lang auf Augenhöhe mit den Weltbesten. Ein Tagessieg, sieben Top-5-Platzierungen – die Bilanz der beiden NRV Olympic Team Seglerinnen hätte für mehr gereicht. Im entscheidenden „Gold Umpired Race" leisteten sie sich einen Fehler an der Luvtonne. „Wir haben uns unter eine Masse von Booten gelegt. Das passiert uns ganz sicher nicht noch einmal!", sagte Steinlein nach dem Rennen. Als Fünfte verpassten sie das Finale um fünf Punkte. Im Duell um Platz vier mit den Britinnen Freya Black und Saskia Tidey lagen sie zwischenzeitlich mehrfach vorn.
DSV-Cheftrainer Dom Tidey war in Cagliari dabei: „Sophie und Catherine hatten den Speed, waren schnell und hatten einen Plan. Sie haben mit Zuversicht und Entschlossenheit agiert." Steinlein, Zwillingsschwester der iQFOiLerin Theresa Steinlein auch aus dem NRV Olympic Team, nannte die „mentale Stärke" ihres Teams als Erfolgsfaktor. „Wir fühlen uns vom Team sehr gut unterstützt, und arbeiten mit Mentalcoach und wissen auch den NRV in unserem Rücken."
Für Steinlein und Bartelheimer war es die erste gemeinsame WM. Nach Kieler-Woche-Silber und EM-Platz vier haben sie sich damit in der Weltspitze festgesetzt.
Richard Schultheis und Fabian Rieger legten einen Blitzstart hin. Zwei Tagessiege während der WM-Woche zeigten, dass das neue Team mithalten kann. Die beiden segeln erst seit dieser Saison zusammen, zuvor hatten sie bei den World Cups in Palma und Hyeres bereits Silber geholt. In Cagliari wurden sie als „Shooting Stars" gehandelt – Schultheis ist Juniorenweltmeister 2024 im 49er und zweimaliger Motten-WM-Fünfter.
Doch am vorletzten Tag lief es nicht – das Team kam am Start nicht gut raus. „Wir sind in einigen Starts nicht so gut von der Linie weggekommen. Da wird es dann in einem solchen Feld schwierig, noch richtig gute Ergebnisse zu fahren", sagte Fabian Rieger. Im finalen „Gold Umpired Fleet Race" konterten sie mit Rang zwei. „Das tat gut", sagte Rieger. Am Ende stand Platz zehn – als beste deutsche Männer-Crew und bei der ersten gemeinsamen WM eine solide Basis.
Trainer Ryan Seaton arbeitet mit dem Duo, das auf dem Weg Richtung olympischen Kurs zu den deutschen Hoffnungen zählt. Dom Tidey betonte nach der Regattawoche: „Richard und Fabian sind ein neues Team und haben in diesem Jahr schon zweimal auf dem Podium gestanden. Im finalen Fleetrace haben sie mit Rang zwei noch einmal stark gekämpft und demonstriert, was sie können. Wir sind noch nicht zufrieden mit den Ergebnissen, haben aber das Potenzial gesehen, das wir für den olympischen Kurs brauchen."
Das neue WM-Format lieferte die erhoffte Spannung. In zwei von drei Klassen holten im „4-Punkt-Finale" nicht die Fleetrace-Führenden Gold. Bei den 49erFX siegten die Spanierinnen Paula Barceló und Mário Centeno, im Nacra 17 die Briten John Gimson und Anna Burnet. Nur im 49er der Männer setzten sich die Olympiasieger und SailGP-Titelverteidiger Diego Botin und Florian Trittel durch – beide Titel gingen nach Spanien.
Sophie Steinlein fand das Format „ganz cool und ziemlich fair für die Segler, aber auch spannend für die Medien". Richard Schultheis sieht es pragmatisch: „Es bedeutet Änderung, an die sich Segler anpassen müssen. Um Medaillen zu gewinnen, musst du trotzdem vier, fünf richtig gute Tage gesegelt haben, um ins 4-Point-Race zu kommen."