Foto: ©Sven Jürgensen | Wir sind Wir. Inklusion in sailing.
Wie fühlt sich Wind an? Woher kommt er her? Was macht das Boot, wenn ich das Segel setze – und wie erkenne ich, wann es richtig steht? Fragen wie diese stehen im Zentrum eines besonderen Segelkurses, der im Herbst 2025 auf der Hamburger Alster stattfindet: Der sogenannte Fledermauskurs richtet sich an blinde und sehbehinderte Menschen und ist ein gemeinsames Projekt von Rotary Deichtor, Wir sind Wir – Inclusion in Sailing e.V. und dem Norddeutschen Regatta Verein.
Fünf Menschen – blind oder sehbehindert – im Alter von 20 bis 86 Jahren nehmen am achttägigen Kurs teil: Marco (52), Melisa (20), Günther (86), Vreni (22) und Sascha (36). Sie lernen nicht nur die Grundlagen des Segelns, sondern vor allem, das Boot über die Alster zu führen – mit eigener Entscheidung, eigenem Gefühl und wachsender Sicherheit.
Segelausbildung neu gedacht
Die Ausbildung basiert auf einem durchdachten, haptisch orientierten Konzept: Tastbare Modelle der Alster, Miniaturboote, Windströme aus dem Föhn – was anderen visuell vermittelt wird, wird hier begreifbar gemacht. Diese innovative Herangehensweise wurde über mehrere Jahre hinweg entwickelt und stetig verbessert – ausgehend von den erfolgreichen Schnuppertagen, die der NRV seit vier Jahren gemeinsam mit dem BAT Sailing Team unterstützt.
Gesegelt wird auf der Blindfisch, einer J/70-Regattayacht des BAT Sailing Teams. Begleitet werden die Neulinge von erfahrenen sehbehinderten und blinden Seglern – eine Konstellation, die nicht nur Sicherheit gibt, sondern vor allem Mut macht.
Inklusion beginnt nicht mit Regeln – sondern mit Haltung
Der Fledermauskurs ist Teil eines größeren Ganzen. Seit Jahren engagiert sich der NRV gemeinsam mit dem BAT Sailing Team und Wir Sind Wir für mehr Inklusion im Segelsport – mit dem Ziel, möglichst viele Menschen auf das Wasser zu bringen, unabhängig von Einschränkungen oder Voraussetzungen. Dass dies nicht nur in geschützten Trainingsräumen funktioniert, sondern auch im Regattasport, hat das Team längst bewiesen: Blinde, Sehbehinderte, Hörende, Gehörlose, Rollstuhlfahrende – sie alle segeln Seite an Seite bei echten Wettkämpfen mit.
Langfristig geht es um mehr als Ausbildung. Der Kurs soll Türen öffnen: in den Segelsport, in die Vereinsgemeinschaft, vielleicht sogar in eine neue sportliche Heimat beim BAT Sailing Team.
Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie aus einer Idee gelebte Inklusion wird – mit Kreativität, mit Teamgeist und mit dem festen Willen, Barrieren zu überwinden. Denn auf dem Wasser zählt nicht das, was fehlt – sondern das, was verbindet.