Nach drei Tagen Route du Rhum segelt Boris Herrmann auf Platz zwei in der Imoca-Klasse. Am Mittwochabend um 18 Uhr fehlten ihm 220 Seemeilen auf den Führenden Corentin Horeau ("MACSF"), Francesca Clapcich folgte 16 Seemeilen hinter Herrmann. Als einziger Imoca-Skipper war der Franzose durch eine Leichtwindzone nördlich der Azoren geschlüpft, bevor sie sich hinter ihm schloss. Die Verfolger um Herrmann kamen am Mittwochmorgen nur mit einstelligen Geschwindigkeiten voran. Météo Consult, Wetterpartner des Rennens, nannte die Lage an diesem Tag sehr komplex: Das Feld steckte zwischen Hochdruckrücken und Tiefs, viele Imocas setzten sich nach Westen ab, um aus dem schwachen, unsteten Wind herauszukommen.

Gestartet waren am Sonntag um 13.02 Uhr 115 Solisten in sechs Klassen, 22 davon bei den Imocas. Ihr Ziel: Pointe-à-Pitre auf Guadeloupe, 3.542 Seemeilen entfernt. Sie starteten bei leichtem Wind und ruhiger See. Der Passat wehte noch nicht stabil genug für den direkten Weg nach Süden, also zog ein Großteil der Flotte nördlich der Azoren nach Westen. Schon am Montag frischte der Wind auf 20 bis 25 Knoten auf, bei rund zwei Metern Welle. Herrmann nannte die Route du Rhum vorab sein erstes Solorennen auf der "Malizia 4", die erst im Juli vom Stapel lief. Auch sein Ziel hatte er benannt: "Mein offizielles Ziel ist Top sechs." Das Boot habe großes Potenzial, sei aber "hart und anstrengend zu segeln".

In den ersten schnellen Tagen segelte Herrmann der Spitze hinterher, am Dienstag führte ihn das Klassement auf Rang sechs. Am selben Tag sagte er: "Ich habe den Zug vielleicht ein bisschen verpasst, aber das werden wir später sehen." Danach zahlte sich sein Kurs vorerst aus. Herrmann segelte weniger weit nördlich als ein Teil der Konkurrenz. Ambrogio Beccaria, zuvor unter den Ersten, blieb dagegen beim Übergang zum Tief im schwachen Wind hängen. Am Dienstagabend rückte Herrmann auf Rang drei vor, in der Nacht zum Mittwoch überholte er Francesca Clapcich. Sie segelt mit "11th Hour Racing" seine frühere "Malizia 3".

Drei Imoca-Skipper mussten das Rennen aufgeben oder unterbrechen. Jérémie Beyou ("Charal") gab am Dienstagabend aus gesundheitlichen Gründen auf. Mit Ruderschaden nahm Armel Tripon ("Les P'tits Doudous") Kurs zurück nach La Trinité-sur-Mer. Wenige Stunden nach dem Start war Violette Dorange ("Initiatives Coeur") mit dem Vintage-Trimaran von Romain Pilliard kollidiert. Nach der Reparatur in Lorient will sie das Rennen fortsetzen.

Härter traf es die Trimarane. Schon am Montag kenterte Francis Joyon südwestlich von Irland mit seinem Vintage-Tri "Oceans", ein Frachter nahm ihn auf. Rund 400 Seemeilen nördlich der Azoren erwischte es Ocean-Fifty-Skipper Matthieu Perraut ("Elvest"), in der Nacht zum Mittwoch dann Armel Le Cléac'h mit dem 32 Meter langen Ultim "Maxi Banque Populaire XI". Unverletzt blieben beide. Auf Anweisung der Rennleitung drehte Ultim-Spitzenreiter Tom Laperche ab, um Le Cléac'h beizustehen; am Mittwochnachmittag nahm ihn ein panamaischer Frachter auf. Perraut wartete am Mittwoch in seinem Boot auf Rettung. Charles Caudrelier, Titelverteidiger bei den Ultims, gab nach einem schweren Foilschaden auf.

Vorn bei den Imocas ist nichts entschieden. Für Donnerstag sagten die Meteorologen ein rasch wachsendes Tief nordwestlich der Azoren voraus, das die Imocas kreuzen müssen. Hinter seiner Front erwarteten sie 25 bis 30 Knoten aus Nord. Francesca Clapcich sagte: "Ich glaube, fast jeder hat noch viele Türen offen." Erwartet werden die schnellsten Imocas nach zehn bis zwölf Tagen in Guadeloupe.

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