Seit 11 Tage schreiben sich die olympischen Segelwettbewerbe vor Marseille in die Annalen. So spannend, wie sie anfingen, so herausfordernd entwickeln sich die Wettfahrten für die Segler und Seglerinnen.

Die Bucht von Marseille kennt in diesen Tagen immer wieder eines: Windlöcher bzw. Windfenster an der untersten Grenze von gerade Mal vier Knoten. Die TV Übertragungen kämpfen mit den verschobenen Zeitplänen und zeigen regelmäßig Drohnenbilder aus der Bucht statt actionreicher Manöver auf dem Wasser – Startverschiebungen und Rennabbrüche machen das Segeln zu einer besonderen Herausforderung und die flauen Verhältnisse rauben manch einem Athlet die Chance, bis zum Ende zu kämpfen.

Sebastian Kördel war als Co-Favorit in seine Olympia-Premiere gestartet. Nach verpatztem Auftakt, sehenswertem Comeback und einem letzten Hauptrundentag ohne Fortune verpasste er den Finalcut als Zwölfter um sechs Punkte. Der 33-jährige hatte im letzten Rennen der Serie mit großem Abstand geführt, bevor es auf Kurs Ziellinie abgebrochen wurde. Der schon zum Greifen nahe Rennsieg hätte Kördel die Finalteilnahme gebracht. Ohne reichte es bei sechs Punkten Rückstand auf den rettenden zehnten Platz nicht. „Der Rennabbruch war unglaublich schade. Ich bin heute sehr enttäuscht. Mit den zwei Rennsiegen konnte ich aber wenigstens zeigen, dass ich hier hingehöre“, sagte „Basti“ Kördel am Strand von Marseille.

NRV Olympic Team Kollegin iQFoil Surferin Theresa Steinlein surfte sich als 8 phänomenal in die Finalläufe und schrammte am siebten Tag der Olympia-Regatta in der Bucht von Marseille nur knapp an der Sensation vorbei. Die 22-jährige Olympiadebütantin hatte das Viertelfinale mit einem Blitzstart eröffnet. Nach anfänglicher Führung blieb sie mit herausragender Geschwindigkeit souverän in den Top-Zwei. Das hätte zum Einzug ins Halbfinale gereicht, doch dann stellte ein Winddreher die Reihenfolge auf dem Wasser auf den Kopf.

In ihren Worten überschlugen sich die Ereignisse so: „Ich hatte einen mega guten Start, war mega schnell. Ich habe das Feld von Beginn an angeführt, bin dann nach dem Gate als Zweite auf den Upwind gegangen. Fünf Mädchen sind mir hinterhergefahren. Es ging hier jetzt drei Monate lang über die rechte Seite. Deshalb habe ich mich auch heute bemüht, so schnell wie möglich auf die rechte Seite zu kommen. In diesen zwei Minuten ging es dann aber über die linke Seite. Die beiden letzten im Feld haben die linke Seite genommen, weil sie nicht Letzte bleiben wollten. Und haben damit den Lucky Punch gelandet. Manchmal spielt das Glück mit. Das ist heute den zwei zunächst Letzten zugefallen, leider nicht mir. Das muss ich so hinnehmen. Das ist halt Segeln. Ich würde die gleichen Entscheidungen nochmal treffen.“
Und so fährt sie als Sechste nach Hause. Phänomenal gut!

Mit den diffusen Bedingungen hatten nicht nur die iQ Foiler zu kämpfen. ILCA Ass Philipp Buhl kam vor Marseille nicht in seinen Tritt. Mit den Plätzen 7-30-3-28-26-11-(44)BFD-1- und nur 8 gesegelten Rennen schaffte er es nicht, sich für das Medal Race zu qualifizieren. Bitter war zum einen die Frühstartdisqualifikation, weil viele Frühstarter in genau diesem Rennen ungesehen davonkamen. Die Absage der letzten beiden Hauptrundenrennen machten die Träume auf einen versöhnlicheren Olympia-Abschluss zumindest in den Topten dann allerdings vollends zunichte. Womit sich Philipp Buhl als Dreizehnter von seinem dritten Olympia-Einsatz verabschieden musste. „Ich bin sehr enttäuscht. Das wird mich noch eine ganze Weile beschäftigen“, sagte der 34-jährige Weltmeister von 2020.

Besonders gut läuft dagegen die Premiere der Foil Kiter vor Marseille - wenn auch sie von den Verschiebungen und Absagen nicht verschont blieben. Mangels Wind wurde die Hauptrunde bei den Frauen heute mit der minimal erforderlichen Anzahl von sechs Rennen beendet, so dass sie nun nur ein Ergebnis streichen können. Leonie Meyer hat das viertägige „Kurzprogramm“ der ursprünglich 16 geplanten Rennen gut genutzt. Als Hauptrunden-Fünfte zieht sie genauso wie Jannis Maus direkt ins Halbfinale ein.

Die nach der Hauptrunde auf den Plätzen eins und zwei liegenden Kiterinnen und Kiter haben sich bereits direkt für das Finale qualifiziert und erwarten dort die Sieger der beiden Halbfinalgruppen. Die auf den Plätzen drei bis zehn positionierten Akteure der Hauptrunde bestreiten zunächst das Halbfinale in zwei Vierer-Gruppen: Halbfinale A und Halbfinale B. Anders als bei den Windsurfern stehen bei den Kitern im Showdown jeweils vier Athletinnen und Athleten im Finale – eine und einer werden ohne Medaille ausgehen.

Also nochmal: DAUMEN DRÜCKEN!