Zehn Tage vor der Women’s SAILING Champions League waren Siri Segger, Philippa Germershausen, Gloria Clausen und Jola Schönebeck noch keine gemeinsame Crew. Zwei Trainingseinheiten später trat das neu formierte NRV Team in Kiel gegen 17 Clubs aus acht weiteren Nationen an – und kämpfte bis zum letzten Rennen um Bronze.
Drei Rennsiege, drei zweite Plätze und am Ende Rang fünf: Auf der Kieler Innenförde fehlten dem NRV nach zwölf Rennen nur zwei Punkte auf den VSaW und drei auf den Münchner Yacht-Club auf Platz drei. Den Titel gewann der Hamburger Segel-Club vor der Kongelig Norsk Seilforening und dem Münchner Yacht-Club.
Wie aus vier Seglerinnen in wenigen Tagen eine Crew wurde, warum am Samstag neben Karten auch Aquarium und Eis zur Regattavorbereitung gehörten und wie nah es am Ende ans Podium ging, berichtet Jola Schönebeck:
Vom 7. bis 9. August trafen sich Frauen aus der ganzen Welt zur Women’s Sailing Champions League in Kiel. Insgesamt 18 Teams aus neun Nationen gingen auf der Kieler Innenförde an den Start, um den begehrten Titel der besten Segelclubs der Welt auszusegeln. Mit dabei war auch ein Team des Norddeutschen Regatta Vereins mit Siri Segger, Philippa Germershausen, Gloria Clausen und Jola Schönebeck. Gesegelt wurde auf J/70-Booten im bewährten Champions-League - und Bundesliga-Format mit jeweils sechs Booten pro Rennen.
Für uns als NRV Team begann die Veranstaltung bereits mit einer besonderen Ausgangslage: Obwohl alle vier Seglerinnen von uns bereits einzelne Erfahrungen auf der J/70 gesammelt hatten, fanden wir uns erst rund zehn Tage vor der Regatta als gemeinsame Crew zusammen und zwei Trainingseinheiten mussten für uns genügen, um Abläufe und Kommunikation an Bord zumindest einigermaßen vorher einzuspielen.
Der Freitag präsentierte sich mit anspruchsvollen Bedingungen. Böiger West- bis Nordwestwind zwischen zehn und siebzehn Knoten verlangte allen Teams von Beginn an so einiges ab.
Während wir uns zum einen auf die durchwachsenen Bedingungen und zum anderen weiterhin aufeinander einstimmen mussten, wurde im Verlauf des Tages deutlich, welches Potenzial in uns als neu formiertes Team steckte. Mit einem Rennsieg und zwei zweiten Plätzen, zeigten wir, was in uns steckt.
Deutlich andere Bedingungen erwarteten uns am Samstag. Bei stark drehenden lediglich durchschnittlichen drei Knoten Wind, war an regulären Rennbetrieb zunächst nicht zu denken. Stattdessen hieß es Geduld bewahren. Die Zeit bis zu einer möglichen Startfreigabe wurde kreativ genutzt: Zwischen regelmäßigen Windupdates von der Wettfahrtleitung wurden Karten gespielt, gearbeitet, das GEOMAR-Aquarium besucht, Eis gegessen und viele Gespräche geführt. Erst um 16:45 Uhr konnte schließlich doch noch ein Flight (bedeutete ein Rennen für uns) gesegelt werden. Dieses absolvierten wir mit einem einwandfreien Lauf auf Platz 1. Den gelungenen Abschluss des Tages bildete das festliche Galadinner im Kaisersaal des Hotels Kieler Yacht Club.
Am Sonntag zeigte sich Kiel dann von seiner besten Seite. Bei Sonnenschein und hervorragenden Bedingungen gelangen uns weitere starke Rennen.
Besonders erfreulich nach Abschluss des Events war die stetige Leistungssteigerung über die gesamte Serie hinweg. In zwölf Wettfahrten segelten wir die Platzierungen 2, 4, 5, 2, 1, 4, 1, 3, 2, 1, 3 und 4 und kämpften bis knapp vorher um die Bronzemedaille und lagen damit konstant in der Spitzengruppe des Feldes.
Die Entscheidung über die Medaillen fiel erst im letzten Rennen. Dort trafen wir direkt auf unsere unmittelbaren Konkurrentinnen vom Verein Seglerhaus am Wannsee und vom Münchner Yacht-Club. Nach einem spannenden Rennen fehlten am Ende lediglich drei Punkte auf den Münchner Yacht-Club und zwei Punkte auf den VSaW. Mit Rang fünf verpassten wir das Podium nur knapp, können jedoch auf eine zufriedenstellende Leistung bei einem stark besetzten internationalen Teilnehmerfeld zurückblicken.
Der Sieg ging an den Hamburger Segel-Club vor der Kongelig Norsk Seilforening aus Norwegen und dem Münchner Yacht-Club. Herzlichen Glückwunsch!
Ein besonderer Dank gilt der Wettfahrtleitung, dem Hotel Kieler Yacht Club sowie dem Organisationsteam der SAILING Champions League für die professionelle Durchführung der Veranstaltung. Ebenso bedanken wir uns herzlich bei Cornelius Grau und den Partnern des Junioren-Liga-Teams, die die Teilnahme unseres Teams erst ermöglicht haben.