Offshore

NEVER GIVE UP!

Die Vendée Globe geht auf die Zielgerade und die ersten 8 haben sich auf 80 Seemeilen zusammengeschoben: Boris Herrmann startet auf Platz 6 in T-Shirt und bei bester Laune in das "Spiel um den Zieleinlauf"

Kap Hoorn ist passiert, das bald folgende Tief gut überstanden und plötzlich ist alles anders: T-Shirt, Sonne, gute Laune und vor allem: Boris Hermann schob sich in den vergangene Tagen dank schnellstem Bootsspeed und besten Tagesetmal auf Platz 6, währen die Ausreißer vorne in der Flaute festhingen. Dazu kommt noch die Zeitgutschrift für die Suchaktion des verunglückten Kevin Escoffier, die Boris Herrmann nach dem Überqueren der Ziellinie noch abgezogen wird. Bleiben die Boote so nah beieinander, könnten diese Gutschriften entscheidend werden.

Strahlend berichtet Boris Herrmann im morgendlichen Call mit der Leitung der Vendée Globe von dem, was da nun auf den letzten etwa 8000 Seemeilen noch kommt:

»Das große Spiel fängt an! In den letzten 30 Minuten habe ich stabileren Wind bekommen, ich kann sehen, dass das Boot sehr wendig ist. Es geht mit 16 Knoten bei 12 Knoten Wind und das Foil fährt immer weiter. Ich weiß nicht, ob ich mehr anluven muss. Es handelt sich um eine Abweichung von 5 Grad nach rechts oder nach links. Das wird darüber entscheiden, ob ich näher an die anderen herankomme, an Damien (Seguin) und Thomas (Ruyant).

Es sind ein bisschen die gleichen Segelbedingungen wie beim Training in Port-la-Forêt mit dem Offshore-Rennzentrum Finistère. Das Meer ist flach, der Wind ist leicht, ich fühle mich wie in der Bretagne.

Seit gestern wird mein Routing mit dem GFS (amerikanisches Wettermodell) in 13 Tagen in Les Sables d'Olonne eintreffen. Das ist gut für meine Moral. Natürlich macht eine Vorhersage von mehr als zehn Tagen im Nordatlantik nicht viel Sinn, aber sie gibt Ihnen eine kleine Vorstellung davon, wie es laufen könnte.

Vorerst ist das Ziel, den stabilen Wind zu erreichen, der es mir ermöglicht, meine Foils zu benutzen. Die SE'ly Passatwinde sehen ziemlich schwach aus. Wenn sie 11-12 Knoten nicht überschreiten, werde ich meine Foils nicht benutzen können, aber bei 13 Knoten könnte es funktionieren. Es ist also kein großes Glücksspiel. Die Passatwinde aus NO sehen stärker aus. Wir sollten sie bis zu den Kanaren haben und dann werden wir die Wintertiefs erreichen. Bei VMG vor dem Wind, bei schwerem Seegang und 35-38 Knoten Wind, können Boote wie das von Damien Seguin sehr schnell sein. Das Spiel ist offen. Die Foils würde weniger Auftrieb haben und somit das Spiel wieder öffnen!« (das Original auf Französisch gibt es hier-->)

Auch auf englisch betont Herrmann nochmal die unglaublich spannende Situation jetzt nach fast 23.000 gesegelten Seemeilen:

»Dieses Rennen ist so eng, dass es sich nicht wie die Vendée Globe anfühlt«:

Yacht TV hat 18 Minuten Rückblick auf die vergangenen 3 Wochen von Tasmanien bis zum Kap Hoorn zusammengestellt: