Von Leichtwind bis Mistral mit Böen über 28 Knoten: Der Maxi Yacht Rolex Cup bot in diesem Jahr fast das komplette Porto-Cervo-Programm. Vom 6. bis 12. September segelte die Flotte auf Küstenkursen durch den La-Maddalena-Archipel; für die Maxi-1- und Maxi-Grand-Prix-Klassen kamen zusätzlich Up-and-Down-Rennen vor Porto Cervo hinzu.

Mittendrin: NRV Mitglied Tim Tröber auf Lord Irvine Laidlaws 80 Fuß großem Gunboat-Katamaran „Highland Fling XVIII“. In der sechs Boote starken Multihull-Klasse entwickelte sich über die Woche ein enges Rennen mit „Allegra“ und „Sophia“. Drei Tagessiege brachten „Highland Fling XVIII“ vor dem Finale an die Spitze. Am letzten Tag wurde es noch einmal knapp: Nach berechneter Zeit reichte es nicht zum nächsten Rennsieg, „Allegra“ zog nach Punkten gleich. Weil „Highland Fling XVIII“ mehr Tagessiege hatte, ging der Klassensieg schließlich an Laidlaws Team. Das offizielle Endergebnis bestätigt den Sieg der „Highland Fling XVIII“ in der Multihull-Klasse.

Wie sich 33 Knoten auf dem Reach anfühlen, warum ein Gennaker unter vollem Druck durchs Salonfenster verschwindet und weshalb im Ziel plötzlich gerechnet statt gefeiert wurde, erzählt Tim Tröber selbst:

Ein Bericht von Tim Tröber

ROLEX MAXI CUP PORTO CERVO 2026

An Bord bei Lord Irvine Laidlaws Highland Fling 18

Ende Juli dieses Jahres rief mich Xavier Mecoy, genannt „X“, an und fragte, ob ich den Maxi Cup in Porto Cervo mitsegeln wolle. X ist lang gedienter Boat Captain des Highland Fling Programs. Das aktuelle Boot ist ein Gunboat-80-Fuß-Katamaran, eine Custom Build Racing Version, 2023 gebaut und seit 2024 im Regattaeinsatz. Bisher hatte ich das Boot nur einmal im Überführungsmodus von Lymington nach Cascais gesegelt. Daher war ich gespannt zu erfahren, wie dieses martialisch anmutende Boot im Regattaeinsatz performed, und so cancellte ich alles im Kalender, was der Regatta im Weg stand, und sagte wenig später zu.

Nach zwei Tagen Training geht es am Montag, dem 7. September, los.

Am ersten Regattatag segeln wir bei leichten bis mittleren Winden und werden Dritter in der aus sechs Mitstreitern bestehenden Multihull-Klasse. Erster wird Sophia, ein 63-Fuß-Nigel-Irens-Trimaran, vor Allegra, einem ebenfalls von Irens designten 84-Fuß-Katamaran.

Am zweiten Tag starten wir erneut bei 8–12 Knoten Wind aus Nord. Es gibt eine lange Kreuz entlang der Ostküste der Maddalena-Inseln. Die linke Seite ist begünstigt, und so befinden wir uns in einem Wendeduell mit Allegra, die uns gegenüber mehr Höhe bei etwas weniger Boat Speed läuft. Bis kurz vor der Luvmarke verteidigt Allegra ihre knappe Führung. Dann frischt der Wind auf, unser Luvschwimmer wird leichter, bis er ganz aus dem Wasser ist. Wir bewegen das Crewgewicht nach Luv, überholen Allegra und sind auf und davon. Wettfahrt zwei gewinnen wir mit 36 Sekunden Abstand nach berechneter Zeit vor Allegra. Sophia wird Dritte, und somit führen wir punktgleich im Gesamtklassement.

Der ursprünglich für Donnerstag, den 10. September, geplante Layday wird vorverlegt, um einen Flautentag zu überbrücken, und so segeln wir an diesem Donnerstag bei westlichen Winden zwischen 16 und 25 Knoten. Nach einer Drei-Meilen-Kreuz befinden wir uns hinter Sophia und Allegra. Dann werden wir auf einen drei Meilen nordöstlichen Reach nach Monaci gesendet, und HF 18 zeigt ihr Potenzial. Die Boat-Speed-Anzeige geht auf 28, 29, dann kommt eine Bö, und wir segeln bei 33+ Knoten Boatspeed, True Wind Angle 121°, Apparent Wind Angle 47°! Nach Monaci geht's auf den A3, einen aufgerollten 3DI-Gennaker. Ich gehöre zur dreiköpfigen Vorschiffsmannschaft. Unter „Fire hosing conditions“ wird das Segel angeschlagen und aufgerollt gesetzt, um nach der Rundung Monacis ausrollbereit zu sein. Alles klappt. Wir segeln Downwind zwischen 27 und 33 Knoten Boat Speed.

Die Konkurrenz wird schnell sehr klein, und wir gewinnen auch diese Wettfahrt vor Allegra auf Platz zwei und Gaea auf Platz drei.

Tag 5 ist ein klassischer Porto-Cervo-Mistral-Tag. Wind aus WNW mit 18–26 Knoten in der Vorhersage. Nach einer kurzen Kreuz werden wir auf einen südlichen Kurs geschickt. Im Windschatten der Inseln reffen wir das Großsegel aus. Kurz vor der Leemarke gibt es ein Problem mit dem A3-Furler, und wir reißen das Segel im alten Stil ungerollt per Hand runter und quetschen es durch die Tür in den Salon. Mit vollem Groß und Genua 4 geht es am Wind zurück nach Norden. Die Böen sind inzwischen im hohen 20er-Bereich. Nach Rundung der Luvmarke reachen wir erneut nach Monaci. Der Code Zero wird angeschlagen, wir fallen ab, und es wird schnell klar: Hier wird kein Code Zero benötigt. Mit vollem Groß und G4 ist das Boot am Maximum und drüber. Wir verlagern unser Crewgewicht so weit achtern wie nur möglich, und Irvine Laidlaw wird am Steuer die vorderste Person an Bord. Wir feuern mit 32 bis 34,7 Knoten Topspeed Richtung Ziel und gewinnen auch dieses Rennen vor Allegra und Sophia.

Der finale Tag. Beim Maxi Cup gibt es keine Streicher. So ist auch der letzte Tag noch spannend. Bei wenig Wind erwischen wir den besten Start, müssen einen Schlag weniger machen als die anderen und sind von Anfang an weit vor der Konkurrenz. Trotzdem reicht es am letzten Tag nicht für einen weiteren Sieg. Allegra kommt 15 Minuten nach uns gesegelt ins Ziel und schlägt uns berechnet um ganze acht Minuten. Dann kommt Sophia ins Ziel, und unser Navigator Andrew Cape errechnet umgehend, dass auch sie vor uns ist. Unser Punktevorsprung auf Allegra ist damit getilgt. Wir sind punktgleich. Nervös erwarten wir den nächsten Zieldurchgang. Gaea, der 65-Fuß-Katamaran, ist 20 Minuten hinter uns nach gesegelter Zeit. Capey rechnet erneut und sagt: „Think we got it.“ Und damit ist klar: Wir haben gewonnen. Punktgleich durch mehr Tagessiege.

Dies war mein dritter Maxi Cup mit Highland Fling. 2017 und 2019 segelten meine Frau Jenny und ich bereits auf Highland Fling 12, einem 82-Fuß-Reichel/Pugh-Design. Auch in diesen Jahren gewannen wir unser Klassement. Ich bin dankbar, immer mal wieder an diesem unglaublichen Know-how aus mehrfachen Volvo Ocean Races, Louis Vuitton Cups usw. teilhaben zu dürfen.

Beste Grüße
Tim Tröber