Jannes Llull hat ein Ziel: die Mini Transat 2027, eine Solo-Regatta über den Atlantik auf einem nur 6,50 Meter langen Boot. Seit Monaten bereitet sich der 20-jährige NRV Segler darauf vor. Im September stand mit der Duo Concarneau eine weitere Offshore-Regatta auf seinem Programm.
Gemeinsam mit Nicolas Manthos startete er am 17. September im französischen Concarneau. Die rund 310 Seemeilen lange Strecke führte zum Windpark vor der Île d’Yeu und über die Pierres Vertes zurück nach Concarneau. Zu Beginn erreichten die schnellsten Boote annähernd 18 Knoten, später hielt eine ausgedehnte Schwachwindzone die Flotte über Stunden auf. Jannes und Nicolas belegten mit der GER 419 „Mr. Brightside“ den achten Platz in der Prototypenwertung.
Wie die beiden die Regatta erlebten und was Jannes daraus lernt berichtet der junge Mini Segler selbst:
Ende September ging in der Bretagne die Duo Concarneau über die Bühne, eine der letzten Regatten im Kalender der Classe Mini. Die Mini 650 ist die kleinste Hochseeregattaklasse, 6,50 m lang, und ihr großes Highlight ist die Mini Transat, die 2027 im September von La Rochelle nach Salvador de Bahia führt. Um dort starten zu dürfen, muss man über Regatten und eine 1.000-Meilen-Einhandqualifikation genug Meilen sammeln. Die Qualifikation habe ich in diesem Jahr gesegelt, die Duo Concarneau war das letzte Rennen der Saison.
Gesegelt wird in zwei Klassen. Die Serienboote sind Einheitsbauten, bei den Prototypen ist abgesehen von Sicherheitsregeln und der Box-Rule (6,50 × 3,00 m, maximal 2 m Tiefgang, 13 m Masthöhe) vieles offen. Entsprechend unterschiedlich sind die Konzepte, von klassischen Spitzbugbooten über Scows bis zu foilenden Minis. Zusammen mit meinem Co-Skipper Nicolas Manthos bin ich für den NRV auf meinem Prototyp Nummer 419 gestartet, dem ältesten Boot im Feld. 300 Seemeilen doublehanded, 51 Boote am Start. Für mich war es die erste Regatta auf dem Atlantik, nach zwei Siegen in der Proto-Klasse im Mittelmeer.
Start und erste Positionierung
Nach einem General Recall klappte der Start im zweiten Anlauf, nach einer Kreuz zur Ablauftonne ging es Richtung Süden. Unser Ziel war bester Spitzbug unter den Prototypen zu werden und dabei möglichst viele Serien-Scows hinter uns zu lassen. Nach der ersten Tonne lagen wir genau da, alle Spitzbug-Protos hinter uns und im direkten Zweikampf mit einem neuen Proto. Auf Downwind-VMG-Kurs ging es zum Windpark vor der Île d’Yeu.
Rennverlauf
Wir waren auf dem Downwind mit 10 bis 17 Knoten unterwegs und konnten uns über die Nacht gut Positionieren. Nach der Rundung des Windparks ging der Wind konstant nach Unten, was nach einer Langen nach mit hohen Geschwindigkeiten und wenig schlaf gut war.
Nach einem Tag mit viel Flaute erreichten wir spät abends den Raz de Sein, eine Meerenge mit bis zu 6 Knoten Tidenstrom. Genau dort ist unser GPS ausgefallen. Also haben wir klassisch mit Papierkarte und Peilung auf die Leuchtfeuer navigiert und sind so sauber durchgekommen. Auf dem Reachingkurs danach lief es sehr gut, wir haben uns auf Platz 5 der Prototypen vorgearbeitet und lagen schon vor einem der Scows. Nur noch 70 Seemeilen.
Das Ende
Die zweite Passage durch den Raz de Sein bei Tageslicht war deutlich einfacher, und bis fünf Meilen vor dem Ziel hatten wir einen komfortablen Vorsprung. Dann ist der Wind unter der Küste zusammengebrochen. Mit dem Sonnenuntergang hat sich ein Landwindsystem gegen den Seewind aufgebaut, die Boote vor uns sind noch über die Linie gekommen, wir sind davor stehen geblieben. Die Boote, die zehn Meilen hinter uns lagen, sind weiter draußen um uns herumgefahren. Auf den letzten fünf Meilen haben wir rund 15 Plätze verloren. Am Ende kamen wir frustriert auf Platz 8 der Prototypen und Platz 36 von 51 Booten an.
Bedeutung und Lehren
Mit der seglerischen Leistung bin ich zufrieden, wir haben das Boot über weite Strecken ans Maximum gebracht. Die Plätze haben wir taktisch und strategisch verloren, nicht beim Bootsspeed. Was fehlt, ist Erfahrung mit den Wettersystemen und Lokaleffekten am Atlantik. Die kleinräumigen Strategien aus dem Mittelmeer lassen sich dort nicht eins zu eins übertragen. Jetzt beginnt die Zeit für Training und Bootsoptimierung, mit Blick auf die Saison 2027 und die Mini Transat.