Was für ein Moment: Nach zwei Jahren ohne internationale Qualifikation gelingt Lasse Kliewe der große Coup – er gewinnt sensationell die EM/WM-Ausscheidung und löst damit das Ticket zur Weltmeisterschaft im slowenischen Portorož. Doch das ist nicht alles: Auch Mette Rulf (Platz 18) und Sarah Krupp (Platz 19) sichern sich als bestes und zweitbestes Mädchen die Teilnahme an der Europameisterschaft in Izmir, Türkei. Ein historischer Erfolg – erstmals in der Vereinsgeschichte qualifizieren sich gleich drei NRV Segler und Seglerinnen für internationale Titelkämpfe!
Bereits anderthalb Wochen zuvor war die Aufregung groß, als wir mit unseren am Ende 11 qualifizierten Nachwuchsseglern und -Seglerinnen in Travemünde ankamen. Bei bestem Wetter – sonnig, warm, mit auflandiger Welle und etwa vier Windstärken – fanden wir optimale Bedingungen für die letzten Trainingseinheiten vor. Neben kurzen Einheiten in kleinen Gruppen und der Vermessung der Boote stand auch eine gemeinsame Runde Minigolf mit Eltern und Kindern auf dem Programm – konzentriertes Arbeiten, gepaart mit wertvoller gemeinsamer Zeit.
Die Regattatage selbst boten alles, was Segelsport ausmacht: Spannung, Überraschungen – und emotionale Achterbahnfahrten. Schon zum Auftakt lief es hervorragend: Lasse und Mette sicherten sich jeweils einen Rennsieg, Sarah setzte sich früh deutlich von ihren Konkurrentinnen ab.
Am zweiten Tag wurde es knifflig: Der Wind drehte um 180 Grad – die erste Wettfahrt musste abgebrochen werden, obwohl bereits Boote durchs Ziel gegangen waren. Enttäuschung und Frust waren spürbar. Doch dann setzte ein leichter Seewind ein – genau die Bedingungen, die wir aus den Wintertrainingslagern in Südfrankreich gewohnt waren. Das Team spielte seine Stärken aus.
Der dritte Tag wurde zur Schlüsselphase: Der Kurs lag direkt unter Land, Regenwolken sorgten für unbeständige, drehende Winde. Clamor Ganssauge wuchs in diesen schwierigen Bedingungen über sich hinaus. Mit zwei Top-10-Platzierungen kämpfte er sich unaufgeregt nach vorn und segelte sich mit jeder Wettfahrt weiter ins Rampenlicht – die EM-Qualifikation rückte in greifbare Nähe.
Für Lasse hingegen wurde der Tag zur Bewährungsprobe: Nach Platz 35 und 41 war das Zittern groß – nicht nur bei ihm, sondern auch bei meinem Co-Trainer, Matti Paschen und mir. Doch Lasse bewies Nervenstärke. Hochkonzentriert legte er vom Motorboot ab, gewann den Start souverän und sicherte sich mit beeindruckendem Bootsspeed einen ungefährdeten Rennsieg. Was für eine Antwort!
Am Finaltag war klar: Noch war nichts entschieden – außer vielleicht das Wetter. Bereits beim Frühstück prüfte ich den Wetterbericht: Sollte ich dem Team sagen, dass heute wohl nur noch ein Rennen möglich sein würde? Ich entschied mich dagegen – der Fokus sollte auf dem Wasser liegen. Wir waren die Ersten auf dem Wasser, und fast das gesamte Team segelte sich in die Top 30 der besten 82 Segler Deutschlands. So konnte sich Jasper Jansen einen 7. Platz ersegeln und schob sich im Gesamtranking auf einen sehr guten 28. Platz vor. Nur Sarah erwischte ein schlechtes Rennen und musste mit nur einem Streicher noch einmal bangen.
Dann, um 14 Uhr, die erlösende Nachricht: Keine weitere Wettfahrt mehr. Abbruch. Der Jubel war grenzenlos. Eltern, Trainer, Kinder – alle lagen sich in den Armen. Lasse gewinnt die Gesamtwertung. Mette und Sarah qualifizieren sich für die EM. Clamor erreicht einen beeindruckenden 14. Platz. Was für ein Erfolg!
Erstmals in der NRV-Geschichte fahren gleich drei Segler*innen zu einem internationalen Event – und erstmals gewinnt ein NRV-Segler die EM/WM-Ausscheidung. Ein Riesenerfolg für das gesamte Team!
Ich freue mich sehr, nun mit Mette und Sarah zur Europameisterschaft in die Türkei zu reisen – schon in zwei Wochen geht’s los. Und natürlich wünschen wir Lasse für die Weltmeisterschaft im Juni in Slowenien von ganzem Herzen viel Erfolg und Mast- und Schotbruch!
Ein besonderer Dank gilt allen Opti-Eltern für ihr Vertrauen und ihre Unterstützung in den letzten beiden Saisons. Ebenso danke ich dem gesamten Team in der Geschäftsstelle des NRV, meinem Co-Trainer Caspar Ilgenstein für die großartige Zusammenarbeit in den Trainingslagern sowie Klaus Lahme, der mir schon früh das Vertrauen geschenkt hat.
Dass wir in so kurzer Zeit gemeinsam so viel erreichen konnten, ist alles andere als selbstverständlich – und zeigt, was möglich ist, wenn alle an einem Strang ziehen.
Entsprechend begeistert und voll des Lobes ist auch NRV Clubmanager Klaus Lahme: „Das Ergebnis vom Wochenende ist überragend“, sagt Klaus Lahme, „unser Optitrainer Florian Stindt macht hier einen super Job!
Es ist ihm gelungen, 11 Kids für die Regatta zu qualifizieren und dass Lasse, Mette und Sarah die WM- und EM Tickets gelöst haben ist ein toller Erfolg unserer Optiarbeit.“
„Ich danke ganz herzlich Wettfahrtleiter Noel Gonseth und seinem Team. Die Bedingungen vor Ort waren sehr anspruchsvoll und das Team hat es immer wieder geschafft, bei den wechselnden Bedingungen den Kurs anzupassen und die richtigen Entscheidungen zu treffen.“