Anton Germershausen hat seine Erfahrungen im NRV Offshore Team auf der Figaro3 weiter vertieft. In diesem Jahr bot der RORC im Rahmen des Griffin25 Projekts Seglern unter 25 Jahren die einmalige Gelegenheit, auf „Big Boats“ an Offshore-Regatten teilzunehmen. Aus rund 300 Bewerbungen gelang es Anton, einen Platz für die Nastro Rossa Tour zu ergattern. Gemeinsam mit seinem Co-Skipper Max Wenzel vom MSC segelte er drei von neun Etappen der Il Giro, der Segeltour einmal rund um Italien. Ein Bericht von Anton Germershausen:
In diesem Jahr fand die fünfte Ausgabe der Il Giro Vela d'Italia statt und es wurde groß aufgefahren! Die Tour begann in Venedig während der Boatshow, und wir starteten das erste Leg direkt vor dem St. Markus Platz in Richtung Cattolica, etwa 100 Seemeilen südlich.
Das Konzept der Tour ist beeindruckend: Sieben Wochen lang reist der Circuit durch zehn Städte an der italienischen Küste. In jeder Stadt wird ein riesiges Race Village aufgebaut, in dem die Sportler und Sponsoren ihre Basis haben. Es stehen neun Coastal Legs und neun Inshore-Rennen auf den One Design Figaro3 an. Zeitgleich segeln in jeder Stadt zehn Waszp und zehn Wingfoiler gegeneinander, die jeweils zu einem Figaro-Team gehören. Das Team, das in allen drei Kategorien insgesamt die besten Ergebnisse erzielt, gewinnt am Ende der Tour in Genua 25.000 Euro, gefolgt von 15.000 Euro für den zweiten und 10.000 Euro für den dritten Platz.
Diese Regatta erfordert enormen Aufwand, macht jedoch unheimlich viel Spaß! In den ersten eineinhalb Wochen der Tour sind wir fast die gesamte Adriaküste Italiens hinuntergesegelt und hatten die Möglichkeit, vor malerischen Altstädten auf einem hohen Niveau im One Design Fleet zu segeln. Wir traten gegen italienische Ex-Olympiasegler an und es war ein unglaubliches Erlebnis, an so spannenden und engen Rennen teilzunehmen.
Ein besonderer Dank gilt unserem Partnerclub, dem RORC, für diese großartige Möglichkeit! Ebenso danke ich dem NRV Offshore Vorstand Sebastian Ropohl, der mir vor zwei Jahren die Teilnahme an den französischen Meisterschaften auf der Figaro ermöglichte und uns freundlicherweise seinen Laptop mit Expeditionen zur Verfügung stellte, was uns half, die Routen zu planen und auch offshore im Spitzenfeld mithalten zu können. Für Max und mich war es das erste Mal im Double-Handed-Segeln, und die Navigation stellte eine große und wichtige Herausforderung dar.
Im ersten Leg konnten wir uns in den letzten Stunden dank der Vorhersage eines Winddrehers und der Wende im richtigen Moment von Platz 5 auf Platz 3 vorarbeiten. Mit diesem ersten Ergebnis waren wir sehr zufrieden. Danach stand ein 200 Seemeilen langes Leg an, bei dem viel Flaute vorhergesagt wurde. Bis zur ersten Nacht konnten wir uns gut auf Platz 3 halten, fielen dann aber aufgrund unzähliger Stunden in der Flaute am Ende auf Platz 8 zurück. In Vieste angekommen, ging es zum ersten Inshore-Rennen, bei dem wir stolz auf Platz 2 segelten. Nach der misslungenen Langstrecke benötigten wir aber auch dringend einen Erfolgsmoment.
Das letzte Leg führte uns von Vieste nach Brindisi über die kleine Insel Pianosa. Wieder war eine flaue Nacht vorhergesagt, aber wir hatten einen guten Plan, um diese zu umfahren. Wir rundeten die Insel auf Platz 4, konnten uns jedoch bis zum nächsten Morgen auf Platz 2 vorarbeiten. Wir sind unglaublich stolz auf dieses Ergebnis, und das enge One Design-Racing auch mal offshore zu erleben, war wirklich phänomenal. Die Boote sind perfekt für diese Tour, und wenn man über 12 Knoten Bootspeed erreicht, merkt man, dass die Foils nicht nur zum Spaß an den Seiten hängen – mehr aufrichtendes Moment, mehr Geschwindigkeit, mehr Spaß!
Ein herzliches Dankeschön an das gesamte Team! Wir wünschen der Tour noch alles Gute und einen erfolgreichen Abschluss in Genua!
Beste Grüße,
Anton