NRV Olympic Team Mitglied Leonie Meyer berichtet....

Heute berichte ich euch von meinem Trainingslager auf Sal, einer der kapverdischen Inseln vor Afrika, wo ich mich zur Zeit auf die kommende Saison intensivst vorbereite. Warum ich mich auf einer (wie ich euch im Folgenden noch berichten werde, vielleicht doch nicht ganz so) paradiesischen Insel befinde, während die Segler des DSV gerade in Villamoura trainieren?

NRV Olympic Team Kitesurferin Leonie Meyer beim Training in Sal (Kapverdische Inseln); Foto: GoPro Leonie

Das hat mehrere Gründe und ich fange mal mit dem einfachsten an. Ich gehöre ja jetzt, wie viele von euch wissen, zu den Kitern. Als Kiter hat man es in vielen Dingen schwieriger als die Segler, aber in einer Sache wesentlich einfacher: das Reisen! Meine Kitetasche ist 1,85m lang und wiegt 30kg und ich bekomme alle Dinge mit, die ich für ein zweiwöchiges Trainingslager brauche. Das macht die Wahl des Ortes für ein Trainingslager wesentlich einfacher, oder sagen wir schwieriger, weil die Auswahl viel größer ist.

Da unsere Weltmeisterschaft Anfang Mai am Gardasee stattfinden wird, sollte auch das Trainingslager an einem Starkwindrevier gelegen sein. Und der letzte Grund ist, dass mein Kitedrachen Entwickler „Flysurfer“ hier ein Event veranstaltet, zu dem viele gute Kiter kommen werden.

In dieser Woche bin ich mit meinem Trainingspartner und Freund Darian allein hier und wir trainieren jeden Tag zwei Einheiten. Viel mehr schaffen meine Beine ehrlich gesagt zur Zeit auch nicht. Die Belastungen, denen sie beim Foilen ausgesetzt sind, habe ich bisher noch nicht zu 100% im Fitnessstudio darstellen können. Nach einer Stunde Training habe ich schon das Gefühl, meine Oberschenkel würden platzen, das kannte ich vom 49er Segeln irgendwie noch nicht. Doch von Tag zu Tag wird es besser und bald können wir schon von zweimal zwei Stunden Einheiten sprechen, ich bin begeistert ;)

Hier auf Sal gibt es auflandigen Wind. Selbst wenn sich unsere Kites verheddern, ins Wasser fallen und nicht wieder zu starten sind, treiben wir früher oder später an Land. Das Wasser ist warm (ganz im Gegensatz zur Ostsee) und es ist lange hell, sodass es sich um einen recht sicheren Kitespot handelt. Schade, dass der DSV noch nicht so weit ist, uns mit einem Trainer und einem Motorboot auszustatten. Eventuell wird im April das erste richtige Trainingscamp in Kiel stattfinden, darauf freuen wir uns sehr. Für die Zwischenzeit bin ich aber froh, dass ich in Darian einen tollen Trainingspartner gefunden habe, denn auch an einem sicheren Spot wäre es alleine zu gefährlich.

Von unserem ersten Tag an auf der recht kargen, aber dennoch schönen Insel mit ihren zuvorkommenden und freundlichen Bewohnern fühlten wir uns sofort wohl. Doch auf dem Rückweg mit dem Taxi nach der ersten Trainingssession schockierte uns der Anblick des sonst so schönen Strandes. Seit Tag 2 fahren wir nicht mehr mit dem Taxi zu unserer Unterkunft und verschließen unsere Augen vor dem Anblick. Mit Handschuhen und IKEA Tüte ausgestattet laufen wir vom Strand zum Appartement und sammeln jeden Müll auf, den wir tragen können.

Es kostet am Tag vielleicht 30min und so einige Kniebeugen und Ausfallschritte mehr, aber meine Beine müssen ja sowieso mehr trainiert werden und wir hoffen, dass es einen Unterschied macht. Die Weltmeere sollten gerade uns Seglern am Herzen liegen. Ich wünsche mir, dass auch meine Kinder und Enkelkinder die Chance haben, später auf plastikfreien Gewässern segeln und kiten zu lernen. Schockierende Bilder gibt es im Internet genügend, aber live diese verdreckten Strände zu sehen, hat mich noch einmal mehr nachdenklich gemacht. Ich denke, wir können einen Unterschied machen.

Liebe Grüße aus Sal,

Leonie