Ulli Libor, NRV Mitglied seit 1954, nahm in der Senior Sailors Lounge 1868  sein Publikum mit durch fast sieben Jahrzehnte Segelsport: vom Queen Elizabeth Cup 1964 (gewonnen mit 24 Jahren auf geliehenem Boot) über den Vierteltonner „Listang“ bis zum Fastnet Race 1979, als ein Orkan die Regatta zur Tragödie machte. Auch sein Engagement bei den CHILDHOOD-Regatten und ein Blick ins heutige Revier am Bostalsee kamen nicht zu kurz. Ein Bericht über einen spannenden Abend von Ursula Scheder-Bieschin und Manuela Libor.

„Da gab es kein Zögern meinerseits!“ Als Ursula Scheder-Bieschin die Einladung zur Senior Sailors Lounge 1868 aussprach, zögerte Ulli Libor, NRV-Mitglied seit 1954, keinen Moment. Sieben Jahrzehnte Segelsport, Olympische Spiele, Weltmeisterschaften, ein Queen’s Cup – und mittendrin eine der dramatischsten Nächte, die der Hochseesport je erlebt hat. All diese Geschichten nahm er mit, begleitet von seiner Frau Manuela und einigen Flaschen rheinhessischen Weins, und machte sich auf den Weg nach Hamburg.

Die Vorfreude im Club war spürbar. Nicht nur die Senioren hatten sich versammelt, auch jüngere Segler fanden an diesem Abend den Weg in den NRV. Manche kamen, um alte Freunde wiederzusehen, andere, um einer Legende zu lauschen.

Ulli und Manuela Libor nahmen die lange Anreise mit Zwischenstopp gern in Kauf. Aus ihrer Heimat, einem kleinen Weindorf mit elf Winzern in der rheinhessischen Schweiz, brachten sie süffige Kostproben mit – ein flüssiger Gruß aus dem Binnenland für alle Zuhörer. Bei einem Glas Prosecco zeigte eine Diashow Impressionen ihrer Wahlheimat: idyllische Weinberge, kaum 1.000 Einwohner, kein Wasser weit und breit. Dass hier einer der erfolgreichsten Segler Deutschlands lebt, würde man von außen kaum vermuten.

Den Auftakt des Abends bildete ein besonderes Highlight: der Queen Elizabeth Cup 1964. Mit 24 Jahren gewann Ulli Libor die Regatta – auf einem geliehenen Boot, zu Ehren des ersten Besuchs Ihrer Majestät in Hamburg. Hans Ravenborg gab ihm vor der Siegerehrung einen hanseatischen Ratschlag mit auf den Weg: Ein Hanseat verbeugt sich nicht vor Majestäten. Gesagt, getan. Ein Originalbericht aus dem Jahr 1964 untermauerte die Geschichte und sorgte für Heiterkeit im Saal.

Für die Hochseesegler im Publikum war das Kapitel über den Vierteltonner „Listang“ besonders spannend. Das Boot gewann eine der ersten Hochsee-Weltmeisterschaften und war seiner Zeit weit voraus. Ulli Libor verstand es meisterhaft, die technischen Feinheiten und die dahinterstehende Strategie lebendig zu erzählen.

Dann folgte das Fastnet Race 1979 – die tragischste Segelregatta der Welt: 15 Tote, 24 gesunkene Yachten, 136 aufgegebene Boote. Ulli Libor und seine Crew überlebten den Sturm auf der „Jan Pott“. Die Erinnerungen daran sind bis heute lebendig. Die Aufnahme seines Auftritts bei Markus Lanz zum 40. Jahrestag 2019 beeindruckt noch immer. Im Saal herrschte ehrfürchtige Stille.

Ein ganz anderes Kapitel waren die CHILDHOOD-Regatten – Segeln für Kinder in Not. Im Laufe der Jahre sammelten die Drachensegler über eine Million Euro für den guten Zweck. Auch das ist eine besondere Regatta – nicht gemessen an Platzierungen, sondern an Wirkung.

Kurze Videos führten ins neue Heimatrevier: den Bostalsee im Saarland, wo Ulli Libor in der 2.4mR-Klasse im Rahmen der „Action for Europe“-Serie mit Seglern aus ganz Europa unterwegs ist. Mit Fotos von der Teilnahme am Olympia Revival 2022 und – als Bogen zurück zu den Anfängen – den Olympischen Spielen 1972 endete ein kurzweiliger und fesselnder Abend, der mit großem Beifall honoriert wurde.

Der Ausklang bei einem kleinen Imbiss war herzlich und lebendig. Vieles wurde erzählt, viel gelacht – und die Erinnerungen fanden kein Ende.