Eine ganze Saison lang segelte Siri Segger in der RC44-Klasse, als einzige Deutsche im internationalen Feld und mit wachsender Verantwortung an Bord des niederländischen Teams Warp5. Zum Abschluss ging es nach Fuerteventura: acht Tage segeln, vier Regattatage, zwölf Rennen  in der ziemlich schnellen Einheitsklasse, die Russell Coutts für High-Performance-Racing entworfen hat. Gegen Olympiasieger, America’s-Cup-Gewinner und Superseries-Profis behauptete sich das junge Team bei teils ruppigen Bedingungen. Im Rückblick auf das Finale zieht Seeger nun Bilanz – über Fortschritte, Teamrollen und das Segeln am Limit.
Ein Bericht von Siri Segger

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Saisonabschluss der RC44-Klasse auf Fuerteventura

In dieser Saison bin ich für das niederländische Team Warp5 von Jan Scholtes in der RC44-Klasse an den Start gegangen. Für mich war das eine große Ehre, denn damit war ich die einzige deutsche Seglerin im gesamten Feld und durfte, da es ein so neues Team war, sehr viele wichtige Aufgaben an Bord übernehmen.

Vergangene Woche stand unser letztes Event der Saison auf Lanzarote an. Somit konnte ich dem deutschen Winter noch einmal etwas entfliehen. Bei Traumwetter segelten wir acht Tage, wovon vier Tage Regatta waren. Über die Tage hinweg hatten wir alle möglichen Bedingungen von Leichtwind und keinen Wellen bis hin zu den typischen Bedingungen auf Fuerteventura: 25 Knoten und hohe Wellen.

Insgesamt segelten wir zwölf Rennen. Das Besondere im RC44 ist, dass die Rennen besonders eng sind und die Besten der Besten gegeneinander antreten. Das heißt, der kleinste Fehler wird richtig teuer.

Als neuestes Team in der Flotte waren unsere Ergebnisse anfangs natürlich noch ausbaufähig. Trotzdem haben wir es geschafft, uns immer weiter nach vorne zu kämpfen und konstanter im Mittelfeld mitzuhalten. Schließlich schafften wir es sogar, einmal einen fünften Platz ins Ziel zu segeln.

Im Vergleich zur WM in Scheveningen im August haben wir als Crew einen riesigen Schritt nach vorne gemacht.

Für mich war es unglaublich inspirierend, mit so erfolgreichen Seglern zusammenzuarbeiten und von ihnen zu lernen. Auf unserem Boot war zum Beispiel Nick Rogers unser Taktiker, er ist zweifacher 470er-Silber-Olympiamedaillengewinner und Superseries-Segler. Thierry Fouchier, der einzige Franzose, der jemals den America’s Cup gewonnen hat, war unser Main Trimmer. Und beim Event in Scheveningen im August hatten wir mit Don Cowie einen weiteren Superseries-Profi und Silbermedaillengewinner bei den Olympischen Spielen im Star als Coach dabei.

Besonders spannend war für mich, dass unser Team neu in der Klasse ist. Dadurch war meine Rolle an Bord ganz anders als die der anderen Frauen im Feld. Ich konnte viel mehr Verantwortung übernehmen. Ich war Main Assist, Offside Trimmer und Float, was mir die Möglichkeit gab, das Boot in all seinen Facetten kennenzulernen und mich als aktives, wichtiges Crewmitglied einzubringen.

Ich bin sehr gespannt, was die nächste Saison bringt. Leider wird Warp5 im kommenden Jahr nicht wieder an den Start gehen, doch ich bin unglaublich dankbar für alles, was ich im RC44 über das Boot und von den Profiseglern lernen durfte.

Fotos: ©Sailing Energy

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