Fünf Schallsignale vor Oslo. Vor dem Kurs der Fähre hat sich ein Feld mit zehn Jollen aufgebaut, die Hafenausfahrt ist schmal, das Schiff groß. Vom Sonnendeck aus sieht die Gruppe der NRV Sailors Lounge 1868, wie sich das Regattafeld teilt. Für einen Moment liegen Seefahrt, Navigation und Segelsport in einem Bild.
Vom 5. bis 7. Juni 2026 ist die NRV Sailors Lounge 1868 unter Federführung von Ulla Schieder-Beschiel nach Norwegen unterwegs. Die Reise führt von Hamburg über Kopenhagen auf die Fähre „Nordic Crown“ nach Oslo — und verbindet Fachthemen an Bord mit einem Besuch im Nobel-Friedenszentrum.
Der Start liegt noch an Land: um 7 Uhr morgens am Hamburger Hauptbahnhof, mit dem Zug Richtung Kopenhagen. Gegen Mittag erreicht die Gruppe die dänische Hauptstadt und fährt weiter zum Fährterminal. An Bord sind die Kabinen vorbereitet, auf dem Konferenzdeck steht ein eigener Raum bereit. Dort beginnt der fachliche Teil der Reise.
Reiseleiterin und Nautikerin Simona Dittrich-Knüppel spricht über ein Revier, das derzeit weit mehr ist als eine Wasserfläche zwischen den Anrainern: die Ostsee. Es geht um Navigation, um die besondere Lage in politisch unruhigen Zeiten, später auch um verfälschte Signale und die Schattenflotte. Aus der Fähre wird ein Seminarraum auf See.
Am Abend folgt der erste Besuch auf der Brücke. Simona Dittrich-Knüppel stellt den Kontakt zum Kapitän her, einem jungen Dänen. Er zeigt die Geräte, erklärt Abläufe und beantwortet Fragen zur Fahrt. Später kann die Gruppe im Hintergrund miterleben, wie die Fähre in den Oslofjord einläuft.
Am Morgen erreicht das Schiff Oslo. Im Hafen zieht ein kleines gelbes Floß die Blicke auf sich: eine schwimmende Sauna, die von Motorbooten angelaufen wird. Wenig später öffnet sich der Blick auf die Stadt. Das Rathaus mit seinen zwei Türmen, die neue Oper und das Munch-Museum prägen das Panorama am Wasser.
Zwischen Oper und Munch-Museum fährt die Gruppe per Taxi weiter zum Nobel-Friedenszentrum. Dort erhält sie eine Führung zur Geschichte des Friedensnobelpreises und zu Persönlichkeiten, deren Arbeit vielen Teilnehmenden bis dahin nur in Teilen bekannt war. Auch der Museumsshop bleibt in Erinnerung: als Ort, an dem die Themen der Führung noch einmal greifbar werden.
In der Innenstadt zeigt sich Oslo von einer anderen Seite. Musikgruppen ziehen durch die Straßen, Erwachsene und Kinder tragen Kostüme, die Stadt ist voll und in Bewegung. Für einige Stunden steht nicht die Fähre im Mittelpunkt, sondern eine Hauptstadt, die an diesem Tag feiert.
Gegen 16 Uhr kehrt die Gruppe an Bord zurück. Kurz darauf legt die Fähre ab. Vom Sonnendeck aus verfolgt die NRV Sailors Lounge 1868 den Abschied von Oslo — und erlebt dabei jene Szene mit dem Jollenfeld vor dem Kurs des Schiffes. Fünf Schallsignale sind nötig, dann setzt die Fähre ihre Ausfahrt fort.
Später führt der Chefingenieur die Gruppe in den Maschinenraum. Unten ist von Sonnenuntergang und Konferenzdeck nichts zu spüren. Hitze und Lärm bestimmen die Arbeitsumgebung. Der Besuch zeigt die andere Seite der Fährreise: die Arbeit der Menschen, die den Betrieb des Schiffes am Laufen halten.
Am Abend folgt ein gemeinsames Essen im Restaurant an Bord. Danach geht es zurück auf das Konferenzdeck. Die Themen bleiben bei Navigation, Sicherheit auf See, möglichen Signalverfälschungen und der Schattenflotte. Auch die Ausfahrt aus dem Fjord kann die Gruppe erneut von der Brücke aus begleiten.
Nach einer kurzen Nacht erreicht die Fähre am nächsten Morgen Kopenhagen. Von dort soll es mit dem Zug zurück nach Hamburg gehen — zunächst pünktlich und wie geplant. Doch nach rund 90 Minuten endet die ruhige Rückreise. Ein Elektromast ist bei einem Gewitter auf die Schienen gestürzt. Alle Züge von und nach Kopenhagen stehen still. Vier Züge voller Fahrgäste müssen evakuiert werden.
Was folgt, findet nicht mehr auf See statt, verlangt aber trotzdem Orientierung: Schienenersatzverkehr, Umstiege, Warten, Improvisieren. Erst gegen Mitternacht erreicht die Gruppe Hamburg.
Hinter der NRV Sailors Lounge 1868 liegen zwei Nächte auf See, ein Tag in Oslo, Besuche auf Brücke und im Maschinenraum, ein Gang durch das Nobel-Friedenszentrum — und eine Rückreise, die deutlich länger dauert als geplant.
Ein Bericht von Ulla Scheder-Bieschin und Sina Wolf (red)