Die J70 Gewinnerinnen "Die Fiven" zusammen mit Helga Strelow - Namensgeberin der ersten NRV J70 und in Fortgführung dann der weltweitgrößten Frauenregatta - dem Helga Cup. Fotos: ©Lars Wehrmann | Helga Cup 2025 | Wir sind Wir
Drei Tage lang präsentierte sich die Hamburger Außenalster von ihrer besten Seite: Hochsommerliche Temperaturen, warmer Wind, glattes Wasser mit den typischen Alsterböen – fast schon Gardasee-Feeling inmitten in der Hansestadt. Der achte Helga Cup bot den 73 gestarteten Crews beinahe bis zum Schluss ideale Bedingungen für packende Rennen und spannende Duelle auf dem Wasser.
„Die Fiven“ sichern sich den Sieg in der J/70-Klasse
In der hochklassig besetzten J/70-Flotte setzten sich „Die Fiven“ in einem nervenaufreibenden Finale durch. Trotz anspruchsvoller Leichtwindverhältnisse behielt das Team die nötige Ruhe und Übersicht. Eine besondere Erfolgsgeschichte: Das Team um Steuerfrau Helen Fischer, ehemalige mixed Weltmeisterin in der 505er-Klasse, hatte sich erst vor zwei Jahren beim Helga Cup gefunden – damals noch in unterschiedlichen Booten. Heute ist Fischer die einzige aus dem ursprünglichen Team, die noch dabei ist.
„Es war erst unsere zweite gemeinsame Regatta“, sagt Crewmitglied Ulrike Ellmer aus Hamburg. „Dass wir gleich gewinnen, fühlt sich völlig surreal an.“ Ihr Erfolgsrezept? „Ein bisschen Vorsicht und viel Gelassenheit.“
Auf Rang zwei segelte das prominent besetzte Team Nordkomplott mit den 49er FX Europameisterinnen Marla Bergmann und Hanna Wille, Olympiabronzemedaillengewinnerin Alicia Stuhlemmer und Liga-Seglerin Laura Bo Voß. Für die Topseglerinnen war es die Helga-Cup-Premiere. Bronze ging an das Team Stiftung Mammazentrum vom Hamburger Segel-Club mit Juliane Zepp am Steuer, unterstützt von Marion Rommel, Maren Halbrock und Lea Beele.
Die RS Venture Connect Gewinnerinnen Renate Schröder und Daniele Möller ©Lars Wehrmann | Helga Cup 2025 | Wir sind Wir
Überraschungscoup in der RS Venture Connect-Klasse
Für Daniela Möller wurde der diesjährige Helga Cup zur emotionalen Achterbahnfahrt. Vor einem Jahr noch Schlusslicht, nun ganz oben auf dem Treppchen. Gemeinsam mit Steuerfrau Renate Schröder triumphierte sie in der inklusiven Klasse RS Venture Connect. „Am Anfang hatten wir noch mit dem Boot zu kämpfen, aber dann sind wir immer besser reingekommen“, berichtet Möller. Letztlich entschied das Wetter das Finale: Wegen Flaute wurde der letzte Durchgang gestrichen, die Qualifikationsplatzierungen wurden zum Endergebnis.
Besonders bitter war das für das junge NRV Duo: Die elfjährige Nomine Fabian und Partnerin Jola Schönebeck waren als Titelverteidigerinnen ins Finale gestartet und hatten beste Chancen auf die Wiederholung ihres Vorjahreserfolgs. Doch am Ende blieb nur Silber – ein starker, wenn auch etwas unglücklicher zweiter Platz.
Mehr als nur eine Regatta – der Helga Cup als Bewegung
Der Helga Cup steht längst für mehr als sportliche Wettfahrten. Von Beginn an wollte das Event dem Frauensegeln Rückenwind geben. Schon vor der Regatta finden Workshops und Trainings statt, um Seglerinnen optimal vorzubereiten. Ein fester Bestandteil ist mittlerweile auch der „Spirit of Helga Cup“-Preis, der Teams auszeichnet, die den besonderen Geist des Wettbewerbs verkörpern.
In diesem Jahr ging die Trophäe erneut an den Akademischen Segler-Verein Hamburg (ASV). Was mit einem einzigen Team begann, ist zu einem Erfolgsmodell gewachsen: Mittlerweile schickt der ASV vier eigene Crews an den Start und hat sich sogar um ein vereinseigenes Trainingsboot in der J/70-Klasse bemüht.
Für viele Teilnehmerinnen ist der Helga Cup längst ein großes Familientreffen auf dem Wasser geworden. Ein emotionaler Höhepunkt war der Auftritt des Teams „MammaSeatas“: Frauen mit Krebserkrankung, gesteuert von Olympiaseglerin Susann Beucke, die dafür vier Tage ihr Offshore-Training in der Bretagne unterbrach. „Es ging um das Dabeisein, nicht ums Gewinnen“, betont Beucke. Auch 49erFX-Seglerin Anna Barth vom deutschen SailGP-Team sprang zeitweise als Steuerfrau ein: „Die Geschichten dieser Frauen haben mich tief berührt.“
Die Titelverteidigerinnen segelten auf einen starken zweiten Platz: "Team Nomine" ©Lars Wehrmann | Helga Cup 2025 | Wir sind Wir
Starke Organisation im Hintergrund – gemeinsames Engagement für das Frauensegeln
Hinter dem reibungslosen Ablauf des Helga Cups stand auch in diesem Jahr wieder eine starke Teamleistung. Die Gesamtorganisation lag in den bewährten Händen von Claudia Langenhan, die mit großem Einsatz, viel Erfahrung und einem kühlen Kopf dafür sorgte, dass Zeitpläne, Abläufe und Wettfahrten reibungslos funktionierten. Clubmanager Klaus Lahme brachte es bei der Siegerehrung augenzwinkernd auf den Punkt: „The lady who never sleeps, because there is always something to do." Treffender lässt sich ihr Engagement kaum beschreiben. Lahme selbst war ebenfalls permanent im Einsatz – von der Logistik bis hin zu sportlichen Belangen wie dem Skippersbriefing.
Der NRV Vorstand war über die Regattatage hinweg ebenfalls prominent vertreten und demonstrierte einmal mehr, wie sehr der Helga Cup ein fester und wichtiger Bestandteil im Veranstaltungskalender des Vereins ist. Kommodore Andreas Christiansen, Vorsitzender Tobias König und Inshore-Vorstand Daniel Jeschonowski begleiteten die Veranstaltung persönlich. Schatzmeister Volker Ernst unterstützte tatkräftig als Helfer an allen drei Wettkampftagen.
Der entscheidender Motor ist der Verein Wir sind Wir, mit seinem Vorsitzenden Sven Jürgensen – Initiator, Ideengeber und unermüdlicher Antreiber des Helga Cups seit der ersten Stunde. Ohne dieses Engagement in Zusammenarbeit mit dem NRV wäre der Helga Cup kaum zu dem Leuchtturmprojekt im internationalen Frauensegeln geworden, das er heute ist.
Eröffnungsfeier mit viel Prominenz
Nach einem ersten geselligen Pre-Opening im Hamburger Segel-Club wurde der Helga Cup am Freitag Abend beim NRV offiziell mit vielen prominenten Gästen eröffnet. Im Rahmen der Eröffnung betonte Christoph Holstein, Staatsrat der Hamburger Behörde für Inneres und Sport, die Bedeutung von Frauensport und Inklusion und hob hervor, wie wichtig es sei, diese Themen noch sichtbarer zu machen.
Susann Beucke schilderte eindrucksvoll ihre Erfahrungen aus der männerdominierten Profisegelszene und unterstrich den Wert des Helga Cups als Bühne für leistungsstarkes Frauensegeln. Schirmherrin Kristina Vogel ermutigte die Seglerinnen, sich nicht durch äußere Begrenzungen von ihren Zielen abbringen zu lassen.
Zu den Ehrengästen der Eröffnung zählten ferner auch die frisch gekrönten Europameisterinnen der 49erFX-Klasse, Marla Bergmann und Hanna Wille vom Mühlenberger Segel-Club, sowie Anna Barth, Taktikerin des deutschen SailGP-Teams.
Ein großer Dank an alle
„Wir hatten gute Segelbedingungen und konnten 111 Rennen durchführen bei teils gardaseeähnlichen Bedingungen“, freute sich NRV Clubmanager Klaus Lahme. Bei der Siegerehrung bedankte er sich nochmal ausdrücklich bei allen Helfern und Helferinnen: „Ich danke ganz herzlich den über 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, unserer Wettfahrtleitung, Tina Buch und Jens Hahlbrock mit ihren Teams, der Umpire-Chefin Svenja Hünsch und ihrer Mannschaft. Sie alle haben einen großartigen Job gemacht!“
Christoph Holstein, Staatsrat der Behörde für Inneres und Sport, dankte den Seglerinnen bei der Siegerehrung für ihr Engagement und betonte, dass Inklusion und Frauensegeln in der Gesellschaft noch sichtbarer werden müssen.
Fortsetzung folgt
Die neunte Auflage des Helga Cups ist bereits terminiert: Vom 11. bis 14. Juni 2026 geht das Event in die nächste Runde. Dann wird sich zeigen, ob Daniela Möller ihren Überraschungserfolg wiederholen kann – und ob das Wetter beim Finale wieder mitspielt.
Bildersammlung Helga Cup 2025 by Lars Wehrmann:
