Am 31. Mai 2026 stimmen die Hamburgerinnen und Hamburger über die Olympia-Bewerbung ihrer Stadt ab. Es geht um Stadtentwicklung, Infrastruktur und den Ruf Hamburgs als internationale Metropole. Tobias König, Vorsitzender des Norddeutschen Regatta Vereins, bezieht klar Stellung: Der NRV steht hinter der Bewerbung.
Tobias König, am 31. Mai stimmt Hamburg über Olympia ab. Warum steht der NRV dafür?
Hamburg ist das Tor zur Welt – und ideal geeignet für Olympische Spiele. Ein großer Teil der Sportinfrastruktur ist bereits vorhanden. Die Spiele geben wichtige Wachstumsimpulse. Und sie sind die beste Hamburg-Werbung überhaupt. Für den NRV kommt ein besonderer Aspekt hinzu: Spiele in Hamburg und Kiel sind das Ziel unseres jahrzehntelangen Engagements für den olympischen Segelsport.
2015 hat Hamburg die Bewerbung per Referendum gestoppt. Was ist diesmal anders?
Das Referendum am 31. Mai ist eine große Chance. Eine Chance, aus den Fehlern von 2015 zu lernen. Damals stand der Vorwurf des Gigantismus im Raum. Das aktuelle Konzept setzt andere Akzente: kein Selbstzweck, sondern Stadtentwicklung mit Turboeffekt. Das Olympische Dorf – etwa in der Science City Bahrenfeld – soll nach den Spielen in bezahlbare Wohnungen umgewandelt werden. Der ÖPNV-Ausbau, neue Radwege, ein Grünes Band durch die Stadt: Das sind Projekte, die Hamburg ohnehin braucht. Olympia beschleunigt sie.
Was würde ein Ja konkret für den NRV und seine Athleten bedeuten?
Durch unser NRV Olympic Team werden wir als Club noch attraktiver. Olympische Spiele im eigenen Land erleichtern die Sichtbarkeit – und damit die Gewinnung von Sponsoren für den Segelnachwuchs. Auch wenn die Regatten in Kiel stattfinden: Hamburg rückt als Sailing City in den Fokus. Davon profitiert die Infrastruktur an der Alster langfristig.
Und dann ist da noch die Eröffnungsfeier. Schwimmende Ringe auf der Binnenalster – direkt vor unserer Haustür. Das wäre ein historischer Moment. Nicht nur für den NRV. Es würde Segeln fest im Bewusstsein der Hamburgerinnen und Hamburger verankern. Eine Stadt, die Olympia ausrichtet, erinnert sich daran. Für Jahrzehnte.
Sport gilt oft als weicher Standortfaktor. Eine Studie der Handelskammer Hamburg zeigt aber harte Zahlen. Was sagen die Ihnen?
Die Zahlen sprechen für sich. Laut der HWWI-Studie im Auftrag der Handelskammer hängen in Hamburg rund 14.744 Arbeitsplätze direkt oder indirekt am Sport. Die Bruttowertschöpfung liegt bei über 5,3 Milliarden Euro. Jeder Euro, der im Sportsektor entsteht, erzeugt 2,40 Euro in der Gesamtwirtschaft. Sport ist kein Hobby der Stadt. Sport ist ein Wirtschaftsmotor. Olympia würde diesen Motor auf ein neues Niveau heben.
Kritiker warnen vor Kosten und Gentrifizierung. Verstehen Sie diese Bedenken?
Ja. Wer Großveranstaltungen kritisch betrachtet, hat gute Gründe dafür. Die Fragen nach Kosten und Verdrängung sind berechtigt. Deshalb ist es wichtig, das Konzept genau zu lesen. Es unterscheidet sich deutlich von 2015 – mit einem stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit und der Einbindung bestehender Stadtteile. Das ist kein Selbstläufer. Aber es ist ein ernsthafter Ansatz.
Und: man darf nicht vergessen, dass wir viele Investitionen ohnehin tätigen müssen. Wenn die Olympischen Spiele nicht nach Hamburg kommen, entfallen auch die Zuschüsse und die Chance die Kosten zu amortisieren. Allein deshalb sollte jeder, der rechnen kann, ganz klar mit Ja stimmen.
Ihr (Dein) Appell an die Hamburgerinnen und Hamburger?
Ein Ja am 31. Mai ist ein Votum für eine selbstbewusste und international sichtbare Stadt. Für eine Stadt, die gestaltet statt wartet. Hamburg hat die Infrastruktur, die Lage und den Geist dafür. Der NRV wird bei der Ausrichtung der Segelwettbewerbe in Kiel eine wichtige Rolle spielen. Wir sind bereit.
Für Hamburg. Für Kiel. Für uns. Eine Chance für alle!
Fotos: ©Peter Kähl & Sven Jürgensen