Die Crew der Bloodhound Cowes – La Coruña 1954. Mary Pera war 1969 Kapitänin des ersten italienischen Admiral's Cup-Teams (3. von rechts) © RORC
Eine Frau pro Boot – mindestens. Nach SailGP und Ocean Race gilt nun auch beim Admiral's Cup: Jede Crew muss mindestens eine Frau und einen Segler unter 27 Jahren an Bord haben.
Cole Brauer war erstmal skeptisch. „Anfangs war ich nicht begeistert von der Crew-Regel", gibt die 30-Jährige zu. Brauer segelte 2024 als erste Amerikanerin alleine nonstop um die Welt. Nun startet sie für Monaco auf der Jolt 6 beim Admiral's Cup. „Das kam mir wie das absolute Minimum vor." Aber inzwischen sieht sie es anders. „Frauen sind genauso talentiert, genauso motiviert und verdienen die gleichen Chancen."
Der RORC brauchte hundert Jahre für diesen Schritt. 1929 wurde Baroness André de Neufville erste weibliche Clubmitglied – nachdem sie die Fastnet Race absolviert hatte. 1954 kam Ray Pitts Rivers als erste Rear Commodore dazu. Mary Pera führte 1969 das erste italienische Admiral's Cup-Team an und wurde drei Jahre später erste Sekretärin des Clubs.
Wer als erste Frau tatsächlich beim Admiral's Cup mitsegelte, ist unklar. Liz Watson war 1971 regelmäßig auf der Cervantes IV ihres Vaters Bob Watson dabei, als Großbritannien gewann. Zehn Jahre später segelte Pam Saffery-Cooper auf der Dragon im siegreichen britischen Team.
Joy Fitzgerald teilt Brauers anfängliche Zweifel. „Müssen wir den Teams wirklich noch sagen, dass sie Frauen aufnehmen sollen?", fragte sie sich. Die 32-Jährige kommt vom Kraft- und Konditionstraining, segelte bei Niklas Zennström auf der Rán und zuletzt auf der J-Klasse Svea. Für den RORC startet sie auf der PAC 52 Final Final. „Aber ich erkenne auch, dass diese Regel Türen geöffnet hat. Für mich hat sie dazu geführt, dass ich dem Team beigetreten bin."
Abby Ehler bringt drei Jahrzehnte Erfahrung mit. Volvo Ocean Race 2001 auf der Amer Sports Too, dann 2014 mit Team SCA und 2017 mit Brunel. America's Cup, SailGP, Ocean Race – die Liste ist lang. Nun segelt sie für den New York Yacht Club auf der Black Pearl. „Als ich zum ersten Mal von der Crew-Regel hörte, hatte ich gemischte Gefühle", sagt Ehler. „Ich befürchtete, dass Frauen eher als Quotenfüllerinnen angesehen werden."
Bei SailGP und Ocean Race hat sie aber erlebt, wie solche Regeln wirken. „Wenn wir Frauen im Profisegelsport normalisieren wollen, brauchen wir dieses sichtbare Engagement", sagt sie heute.
Anna Houtzager ist 23 und damit eine der Jüngsten. Mit sechs Monaten segelte sie zum ersten Mal nach Dänemark – auf der J/24 ihrer Eltern. Jetzt ist sie Teil der Pitcrew beim Rotterdam Offshore Sailing Team auf der Ker 46. „Ich finde es gut, dass es diese Regel gibt", sagt Houtzager. „Das ist keine Abkürzung, man muss immer noch einen Beitrag zum Team leisten."
Mariana Lobato startete mit acht Jahren im Optimist. 420er, 470er, dann Match Racing. 2012 vertrat sie Portugal bei Olympia, 2013 wurde sie Weltmeisterin im Match Racing der Frauen. Heute segelt sie Trimarane und war Co-Skipperin auf der IMOCA 60 Biotherm bei der Ocean Race. Für Frankreich startet sie auf der Teasing Machine. „Diese Regel ist ein Schritt nach vorne", sagt die 35-Jährige. „Aber letztendlich wollen wir aufgrund unserer Fähigkeiten ausgewählt werden."
Der Wandel zeigt sich auch an der Spitze. Admiral Janet Grosvenor und Commodore Deb Fish besetzen die höchsten Posten im RORC. Vor fünf Jahren undenkbar.
Trotzdem bleibt Offshore-Segeln eine Männerdomäne. Die neue Regel soll das ändern. Sie ist mehr als Symbolik – sie schafft Chancen. „Ich hoffe, dass wir in fünf oder zehn Jahren keine solche Regel mehr brauchen", sagt Cole Brauer. „Weil die Segelwelt dann ganz selbstverständlich das Talent von Frauen und Männern gleichermaßen widerspiegelt."
Mehr Infos: https://admiralscup.rorc.org/