Treffpunkt NRV - Prof. Dr. Straubhaar mit "Deutschland nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen: Welche Herausforderungen sind zu erwarten?

 

Inhalt:

Ob mit oder ohne Regierung, mit oder ohne Jamaika-Koalition: Die deutsche Wirtschaft läuft nicht nur auf Hochtouren. Sie befindet sich sogar in einer „Überauslastung“. Der Optimismus bleibt auch bestehen, wenn Deutschland nun noch für eine Weile weiter von einer kommissarischen Regierung geführt werden wird. Die deutsche Wirtschaft wird sich zwar nicht wegen, sondern trotz des Endes aller Jamaika-Hoffnungen weiter positiv entwickeln. Das wird kurzfristig auch so bleiben. Langfristig hingegen braucht es tatsächlich die vom Sachverständigenrat angemahnte Zukunftsorientierung. Eine Jamaika-Koalition aber hätte die erkennbaren Herausforderungen nicht wirklich angepackt, die lieber früher als zu spät zu bewältigen sind. Die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und die Rückwirkungen auf das Bildungssystem, der Schutz der Globalisierung vor national(istisch)en Angriffen und einer Rückkehr des Protektionismus, die Zusammenarbeit mit Frankreich und Polen in einer EU nach einem Brexit, die Zukunft des Sozialstaates angesichts der demografischen Alterung: Das sind die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Dafür aber braucht es große Wirtschaftspolitik und nicht kleines Karree.  

 

Zur Person:

Prof. Dr. Thomas Straubhaar ist seit 1999 Professor der Universität Hamburg für Volkswirtschaftslehre, insbesondere internationale Wirtschaftsbeziehungen. Gleichzeitig ist er Direktor des Europa-Kollegs Hamburg. Von 2010–2017 war er (non-resident) Fellow der Transatlantic Academy in Washington DC. Im Sommersemester 2015 und 2016 war er Theodor Heuss Gastprofessor an ITAM und UNAM in Mexico City.

Thomas Straubhaar studierte Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern, wo er 1983 zum Dr. rer. Pol. promovierte und 1987 nach einem Forschungsaufenthalt an der University of California in Berkeley habilitiert wurde. Er war Lehrstuhlvertreter an den Universitäten in Bern, Konstanz, Basel und Freiburg i.Br. und Professor für Volkswirtschaftslehre der Helmut-Schmidt-Universität (HSU) Hamburg. Von September 1999 bis August 2014 war er zunächst Präsident des Hamburgischen Welt-Wirtschafts-Archivs (HWWA) und danach Leiter des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).