Zwei NRV Segler trotzen stürmischen Bedingungen bei der legendären Route du Rhum

123 Yachten starteten vergangenen Sonntag vor Saint Malo zum Transatlantik-Klassiker Route du Rhum, inzwischen mussten 40 Skipper nach Materialbruch das Rennen aufgeben oder haben zum Abwettern des heftigen Sturmes einen Hafen angelaufen, um das Rennen zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufzunehmen. Die beiden einzigen deutschen Teilnehmer, die NRV Mitglieder Boris Herrmann auf der foilenden Imoca 60 „Malizia“ und Arnt Bruhns auf der Class 40 „Iskareen“, konnten sich bei den schweren Bedingungen bisher gut behaupten.

Mit der Class 40 "Iskareen" nimmt NRV Mitglied Arnt Bruhns an der legendären Hochsee-Regatta Route du Rhum teil und ist damit einer der zwei Deutschen neben NRV Mitglied Boris Herrmann; Foto: svb

Die legendäre, rund 3.500 Meilen lange Soloregatta „Route du Rhum – Destination Guadeloupe“, die letzten Sonntag vor Saint-Malo mit einem Kanonenschuss gestartet wurde, entpuppte sich schon nach wenigen Stunden zu einer harten Materialprobe für die 123 teilnehmenden Yachten und ihre Skipper. Vor allem die gigantisch großen Trimarane der Ultime-Klasse waren den ruppigen Anforderungen in der Biskaya, die von einem Sturmtief, das Böen bis zu 40 Knoten Wind bescherte, nicht gewachsen. Nachdem bereits innerhalb der ersten 24 Stunden Thomas Coville auf „Sodebo Ultim“ und Sebastien Josse auf „Maxi Edmond de Rothschild“ nach Materialbruch aufgeben mussten, meldete Dienstagnachmittag Armel Le Cleac‘ h, Skipper der „Banque Populaire IX“, dass er mit seinem gewaltigen, 32 Meter langen Trimaran rund 340 Meilen nordöstlich der Azoren gekentert sei. Unverletzt musste er im Inneren des Schiffes auf das Eintreffen der Rettungskräfte warten. Dagegen wirken die beiden Mastbrüche auf der Imoca 60 „Monin“ der deutsch-französischen Seglerin Isabelle Joschke und auf der von Netflix unterstützten Yacht vom Typ Class 40 „Nacros: Mexiko“, geskippert von Sam Goodchild, fast harmlos. Letzter populärer Ausfall war Vendée Globe Bezwingerin Samantha Davies, die nach Delaminationen am Rumpf ihrer Yacht das Rennen abbrechen musste. 

Auch Hochsee-Profi Boris Herrmann, Skipper der „Malizia“, hatte nach dem Start mit Problemen am Masttop zu kämpfen, konnte sich aber auf See alleine helfen. Das Rennen über den Atlantik mit dem foilenden Imoca 60 ist seine erste große Soloregatta und ist für ihn ein weiterer großer Schritt bei den Vorbereitungen für die Teilnahme an der Vendée Globe 2020. Aktuell liegt er in der von ursprünglich 20 Startern auf 13 aktive Teilnehmer stark reduzierten Gruppe der Imoca 60 an 5. Position, es führt der britische Segel-Popstar Alex Thomson auf „Hugo Boss“. In einer kurzen Videobotschaft schildert Boris die Situation an Bord: „Es ist eigentlich unmöglich zu schlafen, aber ich bin glücklich, dass das Boot noch in einem Stück ist“, sagt er. „Ich fühle mich gut und hoffe, demnächst ein wenig ruhen zu können. Klopft alle für mich auf Holz, das es weiter so gut läuft.“

Während Boris bereits die gefürchtete Biskaya verlassen hat und westlich vom portugiesischen Vigo segelt, ist Arnt mit der 20 Fuß kleineren Class 40 noch rund 200 Meilen vor Kap Finisterre. Auch er berichtet von harschen Bedingungen, die ihn zwingen das Racen außer Acht zu lassen und sich nur noch darauf zu konzentrieren, sich und das Schiff heil durch die über fünf Meter hohen Wellen und den heftigen Sturm zu bringen. In einer Mail von Bord berichtet er über den gestrigen Tag auf See: „Der Vormittag wurde durch den Durchzug einer Front geprägt, die bei einem Ground Windspeed von 35 Knoten Böen bis in die mittleren Vierziger brachte. Nur unter Sturmfock ließ sich das ganz gut abreiten, da kam allerdings noch eine andere Sache ins Spiel: Seegang, richtig hoch. Circa sechs bis acht Meter, wie ich es außerhalb des Southern Ocean noch nicht gesehen habe, was aber so lange kein Problem darstellt, wie man Druck und Fahrt im Schiff hat. Das war aber nach Durchgang der ersten Kaltfront gegen 11 Uhr nicht mehr der Fall. Der Autopilot hatte seine liebe Mühe, das Boot auf Kurs zu den Wellen zu halten. Ich hatte mich gerade durchgerungen, das Groß wieder zu setzen, als zwei besonders schöne Exemplare angerollt kamen. Die erste rollte programmgemäß unter uns durch (was spektakulär genug ist!). Die zweite brach dann, und ich rettete mich mit einem Sprung unter Deck. Das Boot lag ziemlich flach auf dem Wasser, Chaos im Cockpit, zwei Schotentaschen hingen in der Reling und wären fast verloren gegangen. Unter Deck musste ebenfalls erstmal aufgeräumt werden, erzieht irgendwo natürlich zur Ordnung...“

 Die Anspannung ist Arnt Bruhns vor dem Start deutlich zu erkennen; Foto: svb

Aktuell segelt Arnt mit Sturmfock und drittem Reff, seinen Berechnungen nach müsste er morgen Abend die Tiefdruckzone verlassen, so dass an Bord Zeit für ein wenig Entspannung sein könnte. Die Segler wussten schon vor dem Start, dass die ersten fünf Tage des Rennens sehr hart werden würden. Arnt sagte vor dem Start: „Wenn ich am Freitag, wenn beide Tiefs über uns hinweggerauscht sind, noch in einem Stück bin und das Boot heil ist, beginne ich das Rennen zu genießen. Mein Ziel ist es anzukommen, wenn es das Wetter gebietet, werde ich auch einige Meilen nur unter Sturmfock abwettern.“

Die letzte Woche vor dem Start wurde Arnt von der Crew der „Iskareen“ und seiner Familie in Saint Malo unterstützt. Während Bruder Sönke sich überwiegend um die Navigation und die richtige Einstellung des Autopiloten kümmerte, organisierte Max Droege die gesamte Ausstattung des Schiffes, Christian „Chriggel“ Heermann checkte die Bordelektrik noch einmal gründlich durch. Tina Schwarz und Dirk Schörck unterstützten das „Team Iskareen“ vor Ort mit dem NRV Schlauchboot „Bahnwärter“, das extra für die Route du Rhum nach Saint Malo getrailert wurde. Unverzichtbarer ruhender Pol in den letzten Tagen vor dem Start war Tilman Reis, der immer dann zur Stelle war, wenn eine helfende Hand gebraucht wurde.

 Der NRV "Bahnwärter" in Action; Foto: svb

Nur mit dieser Teamleistung war es möglich, im trubeligen Hafen vor den Stadtmauern der französischen Stadt das Schiff für das Rennen fertig vorzubereiten, immer umgeben von Tausenden Zuschauern, die extra angereist waren, um die Flotte der Route du Rhum Teilnehmer – insbesondere die sechs großen Trimarane – zu bestaunen. Nach Schätzungen der Veranstalter haben in der vergangenen Woche rund zwei Millionen Besucher das Race Village besucht, das französische Fernsehen übertrug den Start des Rennens live.

Vor dem hochemotionalen Abschied auf See – dem Moment, wo die Crew, bestehend aus Sönke, Chriggel und Max – von Bord geht und der Skipper alleine lossegelt, gab es Glücksbringer und Geschenke. Neben guten Wünschen bekam Arnt von seinem Bruder einen zusätzlichen Lifebelt, Schwägerin Christiane schenkte eine Boxershorts aus der Route du Rhum Kollektion – falls er auf See doch einmal die Hosen voll hat. Und Max überreichte eine Flasche Sherry – vielleicht besänftigt ein guter Schluck davon Rasmus nun endgültig, damit die Segler sicher ihre Reise bis ins karibische Guadeloupe fortsetzen können.


Als Support dabei Sönke Bruhns (l.) und Max Dröge (m.) zusammen mit Route du Rhum Teilnehmer Arnt Bruhns; Foto: svb


Und auch der familiäre Support war natürlich vor Ort; Foto: svb

 

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