Tornado Saisonstart auf der Biscayne Bay vor Miami

Als wir im Flieger von Hamburg nach Miami Platz nahmen waren uns nicht sicher, ob wir an den ersten beiden ISAF Grade 1 Regatten des Jahres in Miami überhaupt teilnehmen können.
Denn nach der WM in Argentinien im Dezember 2006 gab es große Probleme mit der Zollabfertigung unseres Containers in Buenos Aires. Der Container hatte genau 4 Wochen Zeit um in Miami anzukommen. Doch wie es nun mal so ist in Südamerika. Ohne finanzielle Nachhilfe funktioniert dort nur sehr wenig.
Doch dank vieler engagierter Menschen und der Unterstützung des Deutschen Segler Verbandes, schafften wir es doch noch den Container pünktlich einen Tag vor der Regatta auf Key Biscayne vor Miami abzusetzen. Der Tornado war schnell montiert und es konnte losgehen:
Die Rolex Miami Olympic Class Regatta ist wie jedes Jahr der große internationale Auftakt der Olympischen Bootsklassen.
Wie in den Jahren zu vor, waren die Winde sehr unterschiedlich. Von totaler Flaute bis 7 Windstärken. Und das aus allen möglichen Windrichtungen.
Doch die Tornado Team hatten diesmal besonders viele Probleme mit den starken und Winden. Da der Wind auf der Biscayne Bay ablandig und böig war, kam es zu vielen Kollisionen und Verletzungen. Leider zogen sich einige Vorschoter sehr schwere Verletzungen zu. Rippen- und Beinbruch sowie Trümmerbrüche an Fingern überschatteten die Regatta.
Dazu kamen viele Materialbrüche. Auch wir zerbrachen unsere nagelneue Karbon Gennacker Snuffer und verloren ein wichtiges Rennen.
Wir können nicht verstehen, warum das alles passieren konnte. Doch bei 50 Tornados auf einen Regattakurs, da kann es schon mal richtig eng werden. Gerade an der Luvmarke und am Leegate.
Wir dürfen nicht vergessen, der Tornado erreicht aufgrund seiner Konstruktion Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Er ist nicht nur das schnellste Serien-Segelboot auf dem Wasser, sondern auch ein Sportgerät welches in voller Fahrt nicht ungefährlich ist.
Doch vor allem verlangt der Tornado enorme Athletik und Reaktionsvermögen von seiner Crew. Wenn man dann bei 18-28 Knoten Wind drei Rennen am Tag segelt und dabei das Boot immer am Limit segelt muss um zu gewinnen, dann kann da schon etwas passieren.
Nach 2 Rennen und ca. 3 Stunden Hochleistungssport lässt das Reaktionsvermögen für ein drittes Rennen einfach nach. Mann kämpft mit Wind und Welle und verliert dabei mal schnell die Kontrolle und den Überblick.
Genau das ist mehreren Teams passiert. Vor allem die Vorschoter die immer im Trapez stehen sind gerade auf dem Vormwindkurs mit Gennacker der Gefahr besonders ausgesetzt.
Auch wenn wir am Ende mit vielen Top-Ten Plätzen einen guten 9. Gesamtplatz von 50 Teams aus 16 Nationen erreichen konnten, so richtig freuen können wir uns über den guten Saisonstart nicht. Wir hätten uns gewünscht, die vielen Verletzungen wären nicht passiert.
So war das Regattafeld zur zweiten Regatta Serie vor Miami auch deutlich kleiner. Bei den Nordamerikanischen Meisterschaften der Tornado-Klasse wehte der Wind auch durchgehend leicht bis mittelstark.
Der Wind wehte an den ersten Tagen der Meisterschaft meist ablandig und wir hatten taktisch große Probleme den Rhythmus zu finden. Auch wenn wir nach einigen Starts in der Spitzengruppe lagen, so verzettelten wir uns im laufe der Rennen zu oft.
Wie im letzten Jahr kamen wir mit den Winddrehern und den einschätzen der Böen nicht zu Recht. Allerdings waren wir auch nicht ganz Frisch. Denn Gunnar hatte sich eine Erkältung eingefangen die ihn sehr schwächte. Da waren wir überhaupt froh, das wir segeln konnten und er durchgehalten hat.
Erst als der Wind drehte und auflandig mit einer leichten Thermik wehte, passte alles besser bei uns. Am letzten Tag konnten wir dann mit den Plätzen 5-5-4 glänzen und die schlechten Plätze der Vortage wett machen.
So kam am Ende ein 11. Gesamtplatz bei den Nordamerikanischen Meisterschaften raus. Sicherlich nicht das Traumergebnis, aber immerhin schon mal ein besserer Anfang als im letzten Jahr, wo wir komplett aufgeben mussten, da Roland Probleme mit den Nieren hatte.
Mann müsste denken, vor Miami ist es sehr kalt, wenn wir uns dort alle erkälten und verletzen. Es ist zu dieser Jahreszeit in Florida durchschnittlich schön warm und sonnig. Doch wenn dann mal eine Front vorüber zieht, fallen die Temperaturen enorm schnell. Die Kombination von Temperaturschwankungen und Jetlag schwächen den Körper. Wenn wir dann noch 6-8 Stunden auf dem Wasser sind und viele Rennen hintereinander segeln, dann haut es einen schon mal um.
Wenn wir den Materialbruch und die Erkältung mit einrechnen, dann können wir am Ende mit Platz 9. und 11. bei den ersten beiden Grade 1 Events des Jahres zufrieden sein. Es waren wieder einige Top-Rennen dabei und wir könnten einen guten Schritt vorwärts bei der Segelentwicklung machen. Außerdem werden wir die Erfahrungen aus Miami in unsere nächsten Entwicklungsschritte mit einbringen können. In sofern war es auch eine gute Generalprobe für die EM.
Unser Tornado befindet sich nun im Container auf dem Wege nach Kiel. Dort soll er voraussichtlich Anfang März eintreffen. Sobald wir dann aus- und umgepackt haben, werden wir uns auf die Reise nach Palma machen um dort mit dem Training für die Tornado EM beginnen. Die Tornado Europameisterschaften werden dort vom 1.-6. April während der Princess Sofia Regattawoche statt finden.

Viele Grüsse, Euer Olympic Tornado Sailing Team,
Roland Gaebler & Gunnar Struckmann