Laser Weltmeisterschaft 2006 in Korea

Der Kampf mit dem Taifun!!

Jeju Island, Südkorea – Was ist das eigentlich? Viel wurde in den Monaten vor dieser WM spekuliert, welche Bedingungen uns an diesem so fernen Ort erwarten könnten. Im Endeffekt erwiesen sich alle Informationen als allzu spekulativ. Andererseits hätte man auch von keinem unserer „Informanten“ erwarten können, uns einen Taifun zu prognostizieren.
Es war sicherlich eine gute Idee von uns, einige Tage vor Beginn dieses Jahreshöhepunktes anzureisen. So konnten wir in Ruhe unseren Jetlag „auskurieren“, unser durchaus nobles Hotel Shila genießen, und uns schon einmal an diese so andere Kultur gewöhnen. Einschlägiges Ereignis war dabei unser erstes Abendessen auf Jeju. Die Bestellung „Sweet potatoe noodles with hot sauce“ entpuppte sich als eisgekühlter Glasnudel-Glibber a la superscharf. Zum Glück war die Speisekarte in unserem Hotel deutlich westlicher ausgerichtet und unsere Abenteuerlust nach diesem ersten Erlebnis deutlich gebremst.
Die Regatta begann, wie bei Laser WMs beinahe schon gewohnt mit einem Paukenschlag. Es herrschten nackte Überlebensbedingungen  mit 25-30 Knoten und einer ordentlichen Welle und es gab ganze zwei Teilnehmer, die nicht kenterten. Der Tag darauf ergab wegen Flaute keine Rennen. Am dritten Tag segelten wir dann ganze 3 Rennen bei wiederum sehr „ehrlichen“ Starkwindbedingungen. Ich kann mich nicht erinnern, nach einem Segeltag jemals so müde gewesen zu sein. Auf der WM holen dann doch alle Teilnehmer einfach noch einmal etwas mehr aus sich heraus.
Dann kam der Taifun. Tagelang hatte er sich schon durch extrem hohe Dünung angekündigt, welche dem ein oder anderen Teilnehmer ernsthafte Probleme beim Slippen am Strand bereitete. Es war schon lange vorher abzusehen, dass er in unsere Richtung ziehen würde und wann er ungefähr die Region erreichen würde. Daher waren die Organisatoren auf das schlimmste vorbereitet und ließen uns am Abend vor der Ankunft von „Shen-Shen“ (so lautete der Name des Taifuns) unsere Boote in Container und auf große LKWs laden, da sie in das sichere Inselinnere transportiert werden sollten. Als er dann Tags darauf tatsächlich süd-östlich von Korea durchzog, war es zwar deutlich zu windig zu segeln und ziemlich regnerisch und kalt, aber lange nicht so schlimm wie befürchtet.
Die folgenden zwei Final-Tage brachten dann noch einmal faire, aber anspruchsvolle Rennbedingungen mit sich und so konnten wir noch drei Gold-Fleet Rennen segeln. Der NRV stellte mit Thomas Reger, Tobias Schadewaldt und Bastian Reichartz drei Teilnehmer im Gold-Fleet und Tobi lag vor dem letzten Rennen als bester Deutscher sogar auf dem aussichtsreichen 15. Rang. Aber wie es halt so ist in einem letzten Rennen einer Serie, die nur aus 7 Rennen mit einem Streicher bestehen sollte, noch dazu in der am dichtesten besetzten olympischen Klasse – jeder noch so kleine Fehler muss teuer bezahlt werden. Und so musste Tobi sich nach einem genialen Start und dem etwas zu mutigen Ausflug von ganz links nach fast ganz rechts auf der Startkreuz in diesem letzten Rennen mit einem der hinteren Plätze zufrieden geben und verlor damit noch ganze 10 Plätze in der Gesamtwertung. Mit dem besten Deutschen Simon Grotelüschen auf Platz 20, Tobi als 25., Malte Kamrath als 28., Alexander Schlonski als 38., Thomas als 56., Basti als 61. und Steffan Hoffmann als 86. lieferte das Deutsche Team als Ganzes, trotz eines deutlichen Aufwärtstrends einzelner, eine eher durchwachsene, vor Allem unkonstante Leistung ab. So kann man nur den Schluss ziehen, dass wir noch härter und disziplinierter trainieren müssen, um nachhaltig in die Weltspitze in dieser unglaublich engen Klasse vorzudringen.
Für mich war dies die letzte Regatta als Kadermitglied im Laser. Das hatte ich schon vorher beschlossen und so reiste ich in Korea an, um mich von dieser Klasse als aktiver Segler nach immerhin 9 Jahren zu verabschieden. In der nahen Zukunft wird man mich wohl vor Allem in der Uni Kiel und im Kraftraum treffen, schließlich muss ich den Winter nutzen, um ordentlich Muskeln und Gewicht für das Starboot zuzulegen. Und sicherlich wird man mich auch noch auf der ein oder anderen kleinen Laser Regatta treffen, schließlich habe ich ja auch noch ein Boot und das möchte ja auch ab und zu bewegt werden.
Ich danke allen, die mir diese unglaublich wichtige und schöne Zeit ermöglicht haben, ohne Partner wie den NRV, Piese Persiehl, dem Heinz Nixdorf Verein, meinem langjährigen Trainer Klaus Lahme und vielen, vielen  anderen wäre diese tolle Zeit im Laser nicht möglich gewesen.

Euer Basti Reichartz

 

17. September 2006 – (14 Uhr, Jeju Island)
 
Seit gestern sind die Qualifikationsrennen beendet. Tobias Schadewaldt, Basti Reicharts und Thomas Reger haben sich neben Alexander Schlonski (Rostock), Malte Kamrath (Berlin) und Simon Grotelüschen (Lübeck) für die Finalrennen qualifiziert. Für Stefan Hoffmann und Paul Reck (Rostock) hat es leider knapp nicht gereicht. Die Platzierungen im Moment: Tobi (17. Platz), Thomas (41. Platz), Basti (55. Platz), Stefan (97. Platz).
Nach den ersten drei Tagen hatten wir vier Rennen geschafft. Dabei mussten wir mächtig mit den Elementen kämpfen – kein Rennen unter 25 Knoten und riesen Wellen! Wir sind uns sicher, dass nur die beiden führenden Australier ohne Kenterung über den Kurs gekommen sind. Der letzte Qualitag ist wegen Flaute ausgefallen, trotzdem mussten wir stundenlang auf dem Wasser warten. Dabei hat sich bei der hohen Dünung gezeigt, dass doch nicht alle Lasersegler seefest sind!
Wegen eines nahenden Taifuns haben wir schon gestern vorsorglich alle Boote in die Container verpackt um sie pünktlich zum Finale wieder auspacken zu können. Heute sitzen wir den Taifun im Hotelzimmer aus. Bis jetzt regnet es nur in strömen... vom Taifun ist noch nichts zu sehen.
 
Grüße aus Südkorea,
Thomas Reger & Stefan Hoffmann
NRV Olympic Laser Team