Laser Radial Youth European Championships 2018

NRV Youth Team Seglerin Carlotta Crüsemann war erfolgreiche Teilnehmerin bei der Laser Radial Youth European Championship am Balaton und berichtet von ihrer ersten internationalen Meisterschaft und den Erfahrungen, die sie dort gemacht hat:

 

"Am Freitag, den 6. April, begann meine Reise nach Ungarn an den Plattensee. Gemeinsam mit meiner Mutter und dem Laser auf dem Autodach erreichten wir nach 14 Stunden Autofahrt freitagnachts Balatonföldvár. Da ich seit dem vorherigen Dienstag an einer Mandelentzündung litt, stand die Reise bis kurz vor Abfahrt eigentlich noch nicht fest. Mit dem bedingungslosen OK meines Arztes und den richtigen Medikamenten im Gepäck, hatte ich aber leider das falsche Segel eingepackt! Mein ungarischer Coach Tamas Eszes hatten die richtigen Kontakte und nach ein paar Stunden habe ich im Flur unseres Hotels ein neues Segel mit den Segelnummern beklebt. Die Vermessung am Sonntagmorgen um 11.30 Uhr verlief ohne Probleme und endlich konnte ich mich von dem ganzen Stress und meiner immer noch vorhandenen Mandelentzündung ausruhen, um am folgenden Tag fit für die ersten zwei Rennen zu sein. 

Am nächsten Morgen fühlte ich mich schon gleich viel besser und so ging es für mich, nach einer Einweisung mit Geheimtipps über den See von meinem Coach, um 10 Uhr aufs Wasser. Bei etwa 5-8 Knoten Wind folgte um 11 Uhr der erste Start. Nach einem Traumstart neben dem Startschiff erreichte ich als 6. des Mädchenfleets die Luvtonne. Da mir kurz vorher an Land der Verklicker geklaut wurde, war ich in dem folgenden Outerloop auf dem Vorwind ein wenig „lost“. Leider rutschte ich in dem Rennen noch auf den 26. Platz ab. Das zweite Rennen mit einem 48. Platz von 54 Seglerinnen verlief nicht gerade besser. Nach dem ersten Segeltag war ich im Gesamtergebnis auf dem 39. Platz. An den nächsten zwei Tagen hat der Wind nicht wirklich mitgespielt. Am Dienstag gab es acht Stunden Startverschiebung an Land und es wurden schlussendlich keine Rennen gesegelt. Am Mittwoch war zwar Wind und wir sind auch auf dem Wasser gewesen, aber die Windverhältnisse waren nicht stabil genug und viel zu drehig, um eine vernünftige und faire Wettfahrt starten zu können. Dementsprechend gab es wieder keine Rennen und ich konnte immer noch nicht mein Ergebnis verbessern. Mittlerweile war ich nämlich wieder komplett gesund. 

Am Donnerstag ging es dann endlich wieder los. Bei einem konstanten Wind von 5-8 Knoten war um 10 Uhr das erste Startsignal. An diesem Tag waren drei Wettfahrten angesetzt. Ich belegte die Plätze 3, 4 und 14. Damit kletterte ich im Gesamtergebnis bis auf den 12. Platz nach oben und die Top 10 kamen in greifbare Nähe. 


Foto: Carlotta Crüsemann

Für Freitag, den 13. April, waren bis zu 20 Knoten vorhergesagt. Nach sechs Startversuchen mit mehreren General Recalls unter Black Flag beendete ich das erste Rennen des Tages auf dem 24. Platz. In den beiden folgenden Rennen gab es wieder Schwierigkeiten beim Starten des Mädchenfleets, aber ich konnte am Ende die Plätze 3 und 4 ersegeln. Somit war ich am Ende des Tages auf dem 6. Platz im Gesamtergebnis! Da Freitag der 13. aber nun bekannter Weise ein Unglückstag ist, war für mich die Freude über den 6. Platz leider nur sehr kurz. Zwei Stunden nach Veröffentlichung der offiziellen Ergebnisse hatte ich nun auf einmal einen BFD (Frühstart) in meinem letzten Rennen und war nur noch auf dem 17. Platz. Da das Raceoffice zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen war, konnte ich erst am darauffolgenden Tag das Formular zum Scoring Enquiry (Wertungsanfrage) abgeben. Unerklärlicherweise wurde dieser vom Race Committee abgelehnt. Deswegen habe ich dann gegen die Wettfahrtleitung protestiert, um meine gute Platzierung im letzten Rennen zurückzubekommen. Leider blieb mein Protest erfolglos, denn der Wettfahrtleiter konnte durch Abhören und Übersetzen des ungarischen Tapes des Diktiergerätes beweisen, dass ich wirklich einen Frühstart von vier Sekunden hatte. Nach Ende der Protestverhandlung habe ich die gesamte Situation nochmal ausführlich mit meinem Coach durchgesprochen und im Nachhinein sehr viel aus dieser Protestverhandlung an neuer Erfahrung und Wissen mitgenommen. 

Leider wurde der letzte Tag der Jugendeuropameisterschaft nach sechs Stunden Startverschiebung an Land wegen zu wenig Wind beendet. Mit dem Gesamtergebnis (17. Platz) meiner ersten internationalen Meisterschaft bin ich nicht direkt zufrieden, aber die Einzelergebnisse der Rennen haben mir gezeigt, dass ich auf jeden Fall mit den Top 10 Europas mithalten kann. Abschließend halte ich für mich fest, dass der Balaton in Ungarn ein sehr anspruchsvolles Segelrevier ist und mir viele neue Erfahrungen, Wissen und Spaß gebracht hat. Nach meiner ersten Regatta in diesem Jahr bin ich auf jeden Fall motiviert, und wie mein Trainer Klaus Lahme sagen würde: „heiß wie Frittenfett“, auf diese Saison und die folgenden Regatten!"

>> Ergebnisse

>> Weitere Bilder und Videos von Carlotta von der EM (Instagram: carlotta.sailing