Höhentraining für Lasersegler

Oder was treibt Segler mit Fahrrädern auf schneebedeckte Gipfel?

Am 16. Februar 2007 sollten die Container mit unseren Booten aus Martinique in Marseille ankommen. Von dort mussten sie wieder in die sichere Obhut der DSV-Halle in Kiel transportiert werden. So traten Tobi und ich am 13.Februar die Reise nach Südfrankreich an, allerdings nicht, ohne noch ein kleines Highlight einzubauen.

 

Wenn wir schon mit dem Auto durch halb Europa müssen, dann wollen wir ja auch was davon haben. Wir suchten uns den größten Berg aus, der auf unserem Weg zu finden war, packten unsere BerGaMont-Rennräder ein und buchten ein Hotel in Avignon. Denn unsere Wahl war auf den Mont Ventoux, gefallen; 1909 Meter hoch, 24 km Anstieg, durchschnittlich 7,8% Steigung und was natürlich besonders wichtig war, reichlich Schnee und Eis. Der Mont Ventoux war zuletzt 1992 Schauplatz eines Tour de France Bergzeitfahrens. Tobi hatte natürlich auch die Zeit des damaligen Siegers herausgefunden. Schließlich brauchten wir wie immer im Sport eine Visionen bzw. Mission.

Wie zu erwarten, wurde es uns von Mutter Natur nicht gerade einfach gemacht. Am Tag unserer Tour war zwar strahlender Sonnenschein, aber auch so starker Mistralwind, dass man selbst zu Fuß kaum gegen an kam. Doch gerade wir Segler kapitulieren ja sehr nur selten vor Wind. Wir fuhren mit dem Auto bis an den Fuß des Berges in die kleine Stadt Beduin, die auch bei der Tour de France Etappe der Startpunkt war. Sie lag glücklicherweise im Windschatten des Berges und so war es dort warm, sonnig und viel weniger Wind.

 

Der Aufstieg begann also eigentlich ganz harmlos. Unser Startpunkt lag bereits auf 250 Höhenmetern und die erste halbe Stunde ging es durch offenes Gelände sachte bergan. Doch dann kam es knüppeldick. Sobald wir den Wald erreichten, wurde es immer steiler. 8, 9, schließlich sogar 11 Prozent Steigung ohne eine einzige flache Passage quälten wir uns über die ersten 1000 Höhenmeter. Langsam wurden die Bäume kleiner, wichen dichtem Gestrüpp und Geröllfeldern und schließlich kam der erste Schnee. Etliche Male dachten wir, „Hinter der nächsten Kurve wird es bestimmt Flacher“. Doch leider wurden wir ein ums andere mal getäuscht, erst die letzten Minuten vor unserem erklärten Mindestziel auf 1500 Höhenmetern wurde es etwas erträglicher.

Von dort aus war die Aussicht dank der Mistral Wetterlage phantastisch und der Gipfel wirkte zum Greifen nah. Voller Euphorie machten wir uns an den Rest des Aufstiegs. So lange die Straße eisfrei war wollten wir weiterfahren. Doch langsam wurde es zur echten Quälerei. Der Wind war ohne schützende Bäume extrem stark, die Straße wurde immer steiler, die Temperatur fiel deutlich unter 5°C und die Luft wurde immer dünner. Bei etwa 1800 Höhenmetern verschwand dann die Straße vor uns unter einer geschlossenen Eisdecke und zwang uns zur Umkehr. Trotz unserer guten BerGaMont-Rennräder und unbändigem Willen den Gipfel zu erreichen, kamen wir hier nicht mehr weiter. Uns blieb nur noch ein kurzer Augenblick das phantastische Panorama zu genießen, um dann die Abfahrt anzutreten.

Wenn man diesen Berg  auf 22 Millimeter herunter wieder herunterrast, merkt man erst, wie steil die Strecke wirklich ist. In der glücklichen Lage, uns auf unser Material verlassen zu können, kosteten wir Flachlandtiroler den Nervenkitzel voll aus und genossen die rasende Abfahrt. Rad und Bremsen hielten alles durch und so standen wir nach 3 Stunden und 10 Minuten wieder heil am Auto. Wir hatten 1550 Höhenmeter überwunden. Hinter uns lagen 2h25 Anstieg und 45min Abfahrt. Wir mussten 3 Pausen und zwei kurze Stops einlegen um nicht umzufallen. Mein Puls war mehrfach über 195 Schläge pro Minute gestiegen und der Durchschnitt lag selbst mit Pausen und Abfahrt noch bei 165 Schlägen.

Dieses unglaubliche Panorama, die Stille im Wald und die Freude über unsere Leistung ließen uns die Strapazen schnell wieder vergessen und die Erinnerungen an diesen Tag wird uns bestimmt noch lange bleiben. Unser Dank gilt der Firma BerGaMont, die das gesamte Olympic Team mit absoluten Spitzenrädern ausgestattet hat. Ohne eure tollen Rennziegen hätten wir so etwas nie erlebt. Nur die Gänge könnten etwas kleiner sein.

Eure NRV-Olympic-Team Lasersegler,
Tobias Schadewaldt und Stefan Hoffmann

P.S. Die Profis waren 1992 fast doppelt so schnell