Ein Einblick an Bord der "RED"-Crew bei der AAR

Über zehn Tage sind die Crews der 1. Etappe der Atlantic Anniversary Regatta bereits auf hoher See, einige im Endspurt, andere haben noch viele Seemeilen vor sich bis Grenada und die erste Yacht hat bereits die Ziellinie durchfahren.

Die "RED" kurz nach dem Start; Foto: RORC / James Mitchell

Die Crews teilen sich während der gesamten Regatta nur wenige Quadratmeter, auf denen sie u. a. gemeinsam arbeiten, schlafen und essen. Struktur und Organisation sind dabei wichtige Schlagwörter, um so eine Herausforderung zu meistern. NRV Mitglied und Steuermann Mathias Müller v. Blumencron der "RED" gibt einen kleinen Eindruck vom routinierten Miteinander der vierköpfigen Crew an Bord:

„Nach so vielen Tagen auf dem Boot haben wir unsere Routine total verinnerlicht. Aber was bedeutet das wirklich für vier Kerle auf einer spartanisch ausgestatteten Class 40 mitten im Atlantik? Zunächst einmal betrachten wir unseren fast leeren Bootsrumpf als eine Art zuverlässiges Zuhause, in dem man alles tut, um es der Crew so angenehm wie möglich zu machen. Wir essen dort unser Müsli am Morgen, Nüsse und kleine Riegel während des Tages und dann kommt das nachmittägliche Festessen: getrocknete Salami oder Kabanossi mit kleinen runden Pumpernickelscheiben. Und als Getränk dazu: echten Kaffee (wir haben sogar eine Kaffeepresse mit an Bord), Tee und ansonsten nur Wasser aus der Flasche. Abends gibt es unser gefriergetrocknetes Essen, hauptsächlich von dem polnischen Hersteller Lyo, aber auch das gute alte Turmat aus Norwegen. Frezze-dried Mahlzeiten haben sich in den letzten Jahren extrem verbessert – insbesondere das von Lyo, die dafür auch schon ausgezeichnet wurden. Deren Fleisch mit Kartoffeln schmecken schon fast köstlich. Versuchen Sie mal das Beef Stroganoff oder das Schwein in Dillsoße… 

Routine heißt aber natürlich auch: Segeln. Wir schauen jeden Tag auf den genau gleichen Ozean vom genau gleichen Schiff, aber dennoch ist jeder Tag, jeder Moment auf dem Wasser gleichzeitig sehr anders als noch eine Stunde vorher. Nachdem Autopiloten in dieser Regatta nicht erlaubt sind, ist immer einer von uns am Steuer und versucht die "RED" so schnell wie möglich durch die holprigen Wellen zu lenken. Ein anderer hilft bei Trimm, füttert den Steuermann und wirft die unfassbar stinkenden fliegenden Fische, die immer wieder im Cockpit landen so schnell wie möglich über Bord (heute Nacht hat mich einer auf der Brust getroffen – der Geruch hängt mir jetzt immer in der Nase, sobald ich mein Ölzeug anhabe).

Routine bedeutet auch, als Crew zurechtzukommen. Wir müssen uns komplett auf unsere Fähigkeiten verlassen können, bei sonnigem Wetter aber auch bei schwierigen Bedingungen wie in der Nacht zuvor. Wir steuern das Boot mit sehr wenigen Worten, jeder weiß was zu tun ist und wann wie zu trimmen ist. Das hier ist die beste Crew ever! Aber wenn wir uns um das Boot zu segeln stumm verstehen, worüber unterhalten sich vier Typen den ganzen Tag und während dieser magischen Nächte? Also, es ist nicht was ihr gerade denkt: Mädels sind irgendwie ein Tabuthema. Natürlich unterhalten wir uns über Bootskram – wie wir irgendetwas hätten besser machen können oder immer noch besser machen können. Wir sprechen über unsere Gefühle, das Leben auf See, aber auch über Probleme zuhause. Wie es wohl dem Partner geht, über Lebensziele, Eltern, Familie – sogar über Politik. Und manchmal sind wir einfach still und genießen es auf diesem Ozean, auf dieser Welt, in diesem Leben zu sein.“ 

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