Buenos Dias aus Mexico!

Zwei Wochen Wintertraining in Mexico liegen hinter mir. Ich bin der Einladung von Daniela Moroz, unserer derzeitig viermaligen Weltmeisterin im Kitefoilen, gefolgt und habe sie und ihre Familie in Baja California, welches der Teil Mexicos südlich von Kalifornien ist, besucht. Ein ganz schön großer Aufwand für ein zweiwöchiges Wintertraining, doch diese Chance konnte ich mir natürlich nicht entgehen lassen, also stieg ich gleich nach dem Weihnachtsfest in den Flieger und machte mich zu meiner 28 stündigen Reise auf.

Leonie Meyer aus dem NRV Olymoic Team mit dem Blick auf den fliegenden Kite gerichtet am Strand von Mexiko; © privat

Empfangen wurde ich von Bier trinkenden, Strohhüte tragenden Mexikanern, die auf ihren Pferden durch die Straßen ritten, von Kakteen und von der Sonne. Klischees wurden erfüllt. Und wie schön, nach all den vielen dunklen und kalten Trainingstagen auf der Kieler Förde mal wieder von der Sonne gewärmt zu werden. Mein Training begann dann gleich am nächsten Tag und ich war ziemlich überrascht von dem welligen und windigen Revier. Manöver klappten nur mäßig, im Speed hing ich ewig hinterher. Zwar war ich sehr froh, dass ich diesen Winter so viel aufs Wasser gekommen war, sodass die Manöver auf jeden Fall bei Flachwasser saßen, doch im Vergleich zu der Weltmeisterin waren Defizite natürlich klar erkennbar. Aber dafür war ich ja extra gekommen, also ran an die Arbeit! 

Daniela war in den ersten Tagen leider eher im Urlaubs-Modus und las lieber ihr Buch, als mich auf dem Wasser zu begleiten. Doch zum Glück war Markus, ihr amerikanischer Trainingspartner, mit dabei und so konnten wir dann die Vormittags-Einheiten zu zweit und die Nachmittags-Einheiten zu dritt auf dem Wasser verbringen. Einige Tage verbrachte ich auch die eine oder andere Stunde alleine, um an meinen Manövern zu arbeiten. Es ist immer wieder unglaublich, welche Fortschritte man in so einem Trainingslager mit konstanter Wasserzeit erreichen kann. Mit der GoPro filmte ich mich aus allen möglichen Perspektiven und sendete dann morgens aus dem Cafe mit dem besten, oder eher einzigen WLAN die Videos an meinen Trainingspartner Florian Gruber nach Deutschland, um mir Tips zu holen. Bei einem Smoothie mit frischen Früchten und Kokosmilch kann man ja auch mal ruhig etwas länger auf den Upload warten :)

Da die Vormittage immer mit ablandigem Wind begannen und man erst ab 11:00 aufs Wasser konnte, kam ich tatsächlich auch zum Lernen für meine anstehenden Prüfungen im Februar. Es lief also alles nach Plan, bis zum Montag, fünf Tage vor Abreise. Dieser Tag begann wieder mit Lernen und der ersten Einheit, bei der uns dieses Mal auch Daniela begleitete. Es war das erste Mal, dass die beiden gar nicht mehr richtig auf mich warten mussten. Ich hatte mir eine Tage zuvor bei Daniela ihren Fahrstil abgeschaut und versucht, diesen zu immitieren. Außerdem hatte ich mich mit Markus lange über meine Foilposition unterhalten und mit ihm zusammen den Winkel meines Foils etwas verändert. Ja, und auf einmal lief es richtig gut mit dem
Speed. Keine Frage, in den Manövern verlor ich immer noch auf die beiden, aber es war absolut kein
Vergleich mehr zu den ersten Tagen und das fiel auch meinen beiden amerikanischen Trainingspartnern auf. Völlig glücklich rief ich in der Mittagspause zuhause an und berichtete von meinem Erfolg.

Ich wollte natürlich gleich wieder aufs Wasser und weiter an mir arbeiten. Die beiden anderen waren noch in Ausruh-Stimmung, also beschloss ich, für eine kurze Einheit allein raus zu gehen. Alleine ist relativ an diesem Strand, der voll von Kitesurfern und besonders voll von Foilern ist. Denn Baja California ist ein beliebtes Reiseziel der Amerikaner und besonders die gesamte Kiteszene aus San Francisco trifft sich hier im Winter. Es waren also eine Menge Kitesurfer auf dem Wasser und ich fuhr ein kleines Stück weiter raus, um in meinen Manövern keine anderen Fahrer zu stören.

  

Mitten auf dem Downwind zog mein Foil dann auf einmal Luft und kantete so stark an, dass es mich vorne über abwarf. Ich schlug mit den Schienbeinen auf die Kante meines Boardes (die ich damit brach) und wurde dann leider von dem Kite in mein Foil gezogen, welches durch das starke Ankanten über der Wasseroberfläche war. Den Kite hatte ich zum Glück nicht ins Wasser gestürzt, sodass ich schnell wieder aufs Board und Richtung Strand fahren konnte. Dass etwas nicht in Ordnung war mit meinem rechten Bein, war mir schon bewusst. Ich hatte mir mit dem Flügel des Foils in den vorderen Unterschenkel geschnitten. Also zurück gekitet, ab zum Strand und von dort aus zum mexikanischen Dorfarzt, der die Wunde dann auch eher mexikanisch versorgt hat. Für mich war dies der schwierigste Teil, da ich schon so einige Wunden im OP selber nähen durfte. Jetzt musste ich zusehen, wie jemand, der offensichtlich noch nicht so oft wie ich Nadel und Faden in der Hand hatte, mein Bein nähte. Aber er war sehr nett und hat sich Mühe gegeben und bisher (7 Tage später) ist auch nichts von einer Entzündung zu sehen.

Gestern habe ich mich nach meiner Vorlesung ein Gebäude weiter in die Chirurgie begeben, um einen Arzt noch einmal drüber schauen zu lassen und es ist alles in Ordnung. Ich kann auftreten und laufen, nur die Wunde spannt natürlich noch ein bisschen. Glück im Unglück. Ich war natürlich traurig, dass mir somit 5 Tage Training verloren gingen und ich auch jetzt in Kiel erstmal nicht aufs Wasser kann, jedoch stehen bei mir sowieso nun die Klausuren an und ich kann mich auf Ende Februar freuen, wenn ich das zweite Mal nach Mexico fahren werde, um dort am ersten World Cup des Jahres teilzunehmen.

Dieser Sport ist ein Extremsport. Ich bin nicht die erste, der diese Art von Unfall passiert ist. Es gilt einfach, daraus zu lernen und sich beim nächsten Mal besser zu schützen. Zum einen hatte ich keinen langen Neoprenanzug an, der zwar nicht den Schnitt verhindert hätte, aber zumindest eine erste Schutzschicht geboten hätte, und zum anderen hätte ich auch noch ein, zwei Stunden warten können, bis die anderen beiden mit aufs Wasser gekommen wären. Da war ich einfach zu voreilig und wollte an mein tolles Training weiter anknüpfen. Der Unfall hat mir auf jeden Fall noch einmal mehr bewusst gemacht, dass man diesem Sport mit großes Respekt gegenüber treten muss, besonders eben in diesen Extrembedingungen, denn der Wind war sehr stark und die Wellen waren so groß, wie an keinem anderen Tag. Das ist natürlich etwas ganz anderes, als bei mittlerem Ostwind und Flachwasser hier in der Kieler Förde, denn das Foil hatte nur die Chance, Luft zu ziehen, weil durch die brechenden Wellen Luftblasen unter die Wasseroberfläche gewirbelt wurden.

Also: aus den Fehlern auf dem Wasser lernen, für die Klausuren lernen und im Februar wieder ab nach Mexico!

Liebe Grüße,
Leonie