"Besonders happy" in Miami

Nun ist auch der zweite Teil unseres langen Trainingsblocks in Miami vorbei. Nach der Nordamerikanischen Meisterschaft hatten wir erstmal einen Lay Day. Diesen nutzen wir, um uns ein bisschen in Miami umzuschauen. Dann ging es wieder direkt ins Training.

Fabienne Oster und Anastasiya Winkel (v. l.) auf dem Vorwindkurs in Richtung Podium bei der World Sailing Series in Miami

Leider zeigte sich Miami an den folgenden Trainingstagen nicht von der besten Seite. Für uns fühlte es sich deutlich kühler an, wir hatten aber wahrscheinlich immer noch um die 20 Grad. Leider bekamen wir die Sonne auch nicht mehr so oft zu Gesicht. An einem Tag im Training hatten wir so starken Regen, dass wir teilweise die Schiffe vor uns nicht mehr erkennen konnten, noch nicht einmal auf unserem kurzen Manöverkurs konnten wir immer alle Tonnen erkennen. Allerdings hatten wir an diesen Tagen im Training deutlich mehr Wind, als im ersten Trainingsblock in Miami. So konnten wir doch nochmal fünf Tage bei schönen Windbedingungen trainieren, bevor der erste World Cup in dem neuen Jahr anstand. Für uns war dies auch der zweite World Cup überhaupt.

Der Tag vor dem World Cup war der Vermessungstag und zeitgleich auch unser Lay Day vor der Regatta. Da wir bei der Vermessung zum World Cup nur die Nummern aus den Segeln in ein Formular schreiben mussten und jeweils nur einen Aufkleber mit Nummern auf das Schwert, Ruder und Rumpf sowie Baum und Spibaum kleben mussten, ging dies für uns fix vorbei und wir konnten nochmal ein Tag in Miami verbringen. Der erste Tag des World Cups wird als Day 0 bezeichnet. Dort finden noch keine Rennen statt, aber es ist uns nicht mehr erlaubt unser Material zu wechseln. Wir gingen für eine sehr kurze Einheit aufs Wasser, um zu checken ob für den morgigen Tag auch alles perfekt vorbereit ist. 

Die ersten vier Regattatage waren alle relativ ähnlich. Sehr leichter bis leichter Wind. Viele Dreher und dank der vorbei rasenden Motoryachten auch viel Welle aus allen Richtungen. Wegen des leichten Windes kam es auch öfter vor, dass wir viele Stunden auf dem Wasser warten mussten. Dennoch kamen wir relativ gut mit den Bedingungen klar. Unsere Serie bis zum letzten Tag vor dem Medal Race war 4, 4, 6, 6, 2, 2. Wir waren super happy mit der doch sehr konstanten Leistung. Mit dem gelben Bib, viel Selbstbewusstsein und ähnlich angesagten Bedingungen, gingen wir in den letzten Qualifikationstag. Leider lief es nicht so gut, wir hatten es uns anders vorgestellt. Die Starts funktionierten nicht, wir hatten große Probleme mit dem drehigen Wind und so weiter. In den Ergebnissen hieß dies für uns Platz 14, 24 und 18. Ob dies an den Bedingungen lag oder vielleicht auch an der Tatsache, dass wir ein gelbes Bib zu tragen hatten, ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall war dieser Tag ein sehr harter Tag für uns, körperlich sowie emotional. Wir waren auch um die acht Stunden auf dem Wasser, und dann die schlechten Ergebnisse dazu waren nicht so einfach wegzustecken. Es wurde immer versucht uns mit der Tatsache aufzumuntern, dass wir ja immer noch dritte sind und dies ein super gutes Ergebnis ist. Der Kopf wollte dies aber irgendwie nicht so ganz verstehen. Wir hatten versucht, uns erstmal zu beruhigen, sind schlafen gegangen und haben den nächsten Tag neu begonnen. 

Am nächsten Tag war das Medal Race. Von Platz eins bis Platz sechs war alles für uns möglich. Wir legten uns einen Plan zu Recht, wie wir das letzte Rennen am besten beschreiten sollten.  Als erstes hieß es aber erstmal warten, denn wir hatten, wie die ganzen Tage davor auch, wieder kaum Wind. Bei gefühlten drei Knoten schickte uns die Wettfahrtleitung dann doch aufs Wasser und schoss schließlich das Medal Race an. Bei kaum Wind, acht Meter Strom und vielen Wellen von den Motoryachten war dieses Rennen nicht leicht. Später wurde uns zugetragen, dass es sehr spannend gewesen war. Wir hatten das gar nicht so mitbekommen. Natürlich hatten wir mitbekommen, wer unser direkter und wer indirekter Gegner war. Die Nervosität kam erst auf dem letzten Teil des letzten Vorwind-Kurses. Durch den vielen Strom und dem leichten Wind, war es sehr schwer einzuschätzen, ob wir es vor dem nächsten Schiff um die Gate-Tonne auf dem letzten Halbwind zum Ziel schaffen oder hinter ihr. Erst als wir es vor dem Schiff um die Tonne geschafft haben und auf dem Weg ins Ziel waren, realisierten wir, dass wir geradewegs auf dem Weg zu unserer ersten Silbermedaille bei einem World Cup waren. Unsere Teamkameraden Frederike Löwe und Anna Markfort haben die Goldmedaille gewonnen. Dementsprechend kann man sich vorstellen, dass wir alle besonders happy waren. 


Anastasiya Winkel und Fabienne Oster vom NRV Olympic Team auf Platz 2 neben den deutschen Goldmedaillen-Gewinnerinnen Anna Markfort und Frederike Löwe

Nach dem wir wieder an Land waren, gab es noch schnell die Siegerehrung und dann ging es auch direkt an das wundervolle Container verladen. Auch dies bewältigten wir verhältnismäßig schnell, sodass wir noch genug Kraft und Zeit hatten, abends zusammen die Erfolge zu feiern.

Alles in allem haben wir bei unseren drei Wochen, die wir nun in Miami waren viel gelernt und gezeigt bekommen, an welchen Stellen wir noch weiterarbeiten müssen. Auch wenn wir gesehen haben, dass das Training wie wir es bisher gemacht haben seine ersten Erfolge zeigt, gibt es noch viel zu trainieren. Deswegen gibt es auch nur eine kurze Erholungspause und Mitte Februar geht es auch nach Vilamoura.