Geschichte & Traditionen

Die Vorgeschichte

Hamburger Kaufleute mit Auslandskontakten und Briten in Hamburg hatten ab etwa 1840 das Gentleman-Rudern und das Lustsegeln in die Freie und Hansestadt gebracht. Die neuen Wassersportarten waren im Ursprung very British und wurden auf Alster und Elbe schnell sehr hanseatisch. Schon Anfang der 1860er Jahre haben die Gentlemen beider Nationen im engen Hamburg auf der beruderten Alster auch gesegelt und bald Ober- und Unterelbe als Reviere entdeckt.

Eine kleine, hartnäckige Freundesclique bestritt die Segelregatten des Germania Ruder Clubs (1863 hatte man sechs 'Böte') und probierte 1866 die Gründung eines 'Germania Segel-Clubs zur Förderung des Segelns auf der Alster, Elbe und Ostsee'. Um auch international sportlich melde- und satisfaktionsfähig zu sein, v.a. um auf der Pariser Weltausstellung 1867 auf der Seine mitsegeln zu können, wurde im selben Jahr umfirmiert in 'Norddeutscher Segel-Club'.

Die Gründung des NRV

Schon ein Jahr später entschloss sich das Comite des jungen NSC zu einer hanseatisch stillen Revolte, weil im gleichen Jahr der traditionsgelähmte 'Allgemeine Alster-Club' als Regatta-Ausrichter versagt hatte: Mitglieder aus drei Rudervereinen (mit vorerst nur einigen wenigen Segelböten) gründeten spontan am 8. November 1868 im Uhlenhorster Fährhaus den Norddeutschen Regatta Verein.

Der 'Verein' sollte zwar Club sein, aber ausdrücklich nicht so heißen, da er ja die Regatta-Organisation für andere Clubs übernehmen wollte. Das 'Norddeutsche' im Vereinsnamen war damals hoch politisch und fast schon ein nationaler Anspruch: Bismarck hatte 1866 gerade den 'Norddeutschen Bund' als einstweilen kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung geschaffen. In Norddeutschland herrschte Aufbruchsstimmung.

Schon am 21. Januar 1869 fand für die 75 Mitglieder die erste Generalversammlung im Patriotischen Gebäude  statt: Statuten und Komitee wurden beschlossen, bei einer zweiten Versammlung im März konnte der erste Vorstand gewählt werden.

Weil er noch vor dem Deutschen Reich gegründet worden war, untersteht der NRV als rechtsfähiger Verein seit 1868 und noch heute nur der Aufsicht der Senatskanzlei und steht deshalb nicht im amtlichen Vereinsregister. Generationen lang und bis in die jüngere Vergangenheit stand stets ein Hamburger Bürgermeister als Ehrenvorsitzender an der Spitze des NRV.

Von Anbeginn spielen in der NRV Geschichte Namen eine Rolle, die ihren Klang und Rang bis heute behalten haben und deren Nachkommen oft genug selbst Mitglieder wurden.

Die Gründer waren

Aries, Berens, Bickel, Bieber, Bluhm, Dencker, Droege, Ebeling, Gossler, Hammerich, Hauswedell, Hellmrich, Justus, Kirsten, Langsdorff, Lehmann, Mogg, Molinari, Popert, Reis, Schröder, Schultz, Schuster, Tietgens, Vagd, Vasmer, Wentzel, Westendarp 

Das erste Komitee des NRV
Gossler, Hauswedell, Langsdorff, Reis, Wentzel

Das endgültige Komitee (Doppelwahlgang)
Gossler, Hauswedell, Justus, Langsdorff, Mac Donald, Münchmeyer, Parrau, Reis, Wentzel

Der erste Vorstand
Präsident: Carl Hermann Wentzel
1.Vizepräsident: J. R. Mac Donald
2. Vizepräsident: C. P. Parrau
Sekretär: Dr. Oscar Gossler
Kassierer: F. H. Langsdorff

Die Insignien

1875 beschloss der Vorstand die Einführung einer Vereinsflagge nach Vorstellungen vom Vereinsvorsitzenden C. Hermann Wentzel: schwarzer Doppeladler auf rotem Feld. Nach 1885 ersetzt durch einköpfigen, nach rechts blickenden Reichsadler über schwarz-weißem Andreaskreuz auf rotem Feld. Ein schwarz-weiß-rotes Brustschild lehnt sich auf einen Ankerschaft, der über den Adler mit Stock und Auge hinausragt. Bis 1945 kreuzten sich noch zwei Riemen hinter dem Brustschild, Sinnbild für die lange, aber auch längst beendete Rudertradition.

Die Kommodores

Seit Jahrzehnten haben bedeutende wie hoch verdiente Persönlichkeiten des NRV den Ehrenvorsitz inne und tragen den Titel 'Kommodore', nicht selten sekundierte diesem ein Vize-Kommodore. Das Ehrenamt ist hochangesehen, sein Inhaber hat in Fragen der Tradition, Repräsentation und Innovation nicht selten das letzte Wort.

Das Hanseatische

Die Mitglieder des NRV kamen in den frühen Jahren vor allem und später immer wieder aus angesehenen Hamburger Familien, zumeist aus Kaufmannskreisen. Sie hatten und haben auch heute intensive Auslandskontakte, segelten mit dem Fortschritt und pflegten das Sportliche so intensiv wie das Gesellschaftliche. Das hatte schon früh Ausstrahlung bis an den kaiserlichen Hof in Berlin. Auch im feudalen Milieu machten hanseatische Art und bürgerlicher Republikstolz, wenn es gefordert war, gute Figur. Die NRV Gala war schmuck genug in wilhelminischen Marine-Kreisen. Anno 1895 machte der Brockhaus konversationslexikalisch klar, was der neumodische Segelsport sei: Eine 'Liebhaberei für vermögende Leute'.