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NRV Herbsttour: Wie alles begann
"Herbsttour, Herbsttour, oh welch Vergnügen
Herbsttour, Herbsttour, oh welche Lust,..."
so tönt es seit zwanzig Jahren im Oktober über die Ostsee,durch die Belte und Sunde, ja bis hinauf ins Kattegat zur Insel Anholt.
Begonnen hatte es am 08. Oktober 1977 in Hamburg an der Elbe
Hallo, Ihr Mühlenberger Jollenprofis!
Diese wichtige Nachricht ist für Leute bestimmt, die abenteuerlustig sind, keine Angst haben, ihre sichere und bekannte Festung, das Mühlenberger Loch; gegen unbekanntes Territorium, das es zu erforschen gilt, einzutauschen und ein dickes Bärenfell gegen sibirische Kälte haben.
Es geht nämlich um unsere Herbsttour.
Die Idee zu dieser ersten Herbsttour entstand ein Jahr zuvor.
Die Vineta mußte am Ende einer strapatiösen Regattasaison nach der Flensburger Herbstwoche für Überholungsarbeiten zu Burmeister nach Bremen überführt werden. Es waren gerade Herbstferien und die Überführungscrew, bestehend aus unseren 4 Kindern und ihren Segelfreunden vom Mühlenberger Loch, war schnell gefunden. Auch über die Route waren wir uns einig.
Keiner wollte den kürzeren und bequemeren Weg durch den Nord-Ostseekanal nehmen, sondern wir fuhren durch den kleinen Belt, Kattegat, Limfjord über Helgoland nach Bremen.
Unterwegs trafen wir die Albatros mit der Familie Müller von Blumencron. Nichts konnte Sohn Mathias mehr an Bord seines Vaters halten. Der Sog von acht Segelkameraden war zu groß und so wurde auch für ihn noch eine Koje gefunden. Am Abend nach dem Matthias zu uns gestoßen war, begann die Träumerei, wie schön es wäre, wenn die andern auch alle dabei wären. Die "andern" , das war die ganze Elbe-Jugendgruppe des Norddeutschen Regattavereins.
Matthias wollte seinen Vater überreden, die Albatroß zur Verfügung zu stellen und Susanne Schmidt machte uns Hoffnung, daß auch die Susabyll, das Schiff ihrer Eltern mitmachen würde. Daß die Vineta wieder dabei sein würde, wurde gar nicht erst in Frage gestellt. Die Planung für die erste offizielle Herbsttour war in vollem Gang.
Die Resonanz auf den oben zitierten Aufruf war groß, über dreißig Jugendliche wollten sich auf dieses Abenteuer einlassen.
Wir brauchten also noch zwei weitere Schiffe. Glücklicher Weise konnten wir die Hamburg vom Hamburgischen Verein Seefahrt und die Tai-Fat von der Hamburger Regatta-Gemeinschaft noch dazu bekommen.
Die Reise ging von Kiel aus durch den kleinen Belt, rund Seeland, durch das Smaaland-Fahrwasser zurück nach Kiel. Das ist immer noch, mit kleinen Variationen die typische Herbsttour Route.
Das Alter der Mitsegler war nicht besonders hoch, die Altersgruppe 13-15 Jahre war absolut Ton angebend. Das wirkte sich nicht nur auf den Speisezettel aus, - vorherrschende Ernährungsmittel waren Nutella, Nudeln und Gummibärchen, getrunken wurde Kakao und Limo ( es waren allerdings auch damals schon einige Biertrinker dabei ), - tagsüber fand der altersgemäße Bewegungsdrang zum Teil sehr phantasievolle Ausdrucksformen in Mastklettern, Reiten auf dem ausgefahren Spibaum, Trapez-Kunststücken und anderem mehr.
Die Schiffsleitung versuchte die Aktivitäten in vernünftige Bahnen zu lenken durch Knoten üben, Mann über Bord Manöver, Navigationsunterricht Quiz-Fragen und kurzen Regattaeinlagen. Abends wurde gespielt, Mensch ärger dich nicht, Stratego, Halma, es war eine reine Freude. Alles zusammen hat einen riesigen Spaß gemacht und macht ja wohl immer noch große Freude, denn auch dieses Jahr, zum zwanzigsten mal, wird Herbsttour gesegelt. Wer hätte das damals gedacht?
Anneliese Scheder-Bieschin
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