Laser-Segeln in Mexiko - Ein Bericht von Lucas Neuhäusser
Wie jeder Segler weiß, ist eine der schönsten Herausforderungen des Segelns der Wechsel von Gewässern und Klima. Nun ja, hier in Mexiko - wo wir seit August leben - ist vieles anders als in Deutschland.

Richtig viel Wind war nicht - Foto: Familie Neuhäusser

In Valle del Bravo segelt man umringt von hohen Bergen - Foto: Familie Neuhäusser
Das Problem in Mexiko ist nicht das Segeln, sondern erstmal dorthin zukommen. Trotz 12.000 Kilometer phantastischer Küste, gibt es in Mexico nur zwei wirkliche Segelzentren, Puerto Vallarta am Pazifik und Valle del Bravo im Zentralmassiv. Schlussendlich haben wir uns dazu entschlossen in Valle del Bravo an der “Regatta del Día de la Marina” teilzunehmen. Ohne viel Aufwand haben wir den Laser auf den Audi geschnallt und sind am Freitagnachmittag nach der Schule aufgebrochen um spät nachts im Hotel anzukommen.
Ohne viel Infos über die Regatta, den See oder die “mexikanische Art zu Segeln” standen wir am nächsten Morgen viel zu früh (wenn in Mexiko jemand 10:00 Uhr sagt heißt das 11:00) als Erste vor einem spiegelglatten wunderschönen See umgeben von hohen Bergen. Entspannt luden wir das Boot ab, bauten es auf und warteten darauf, dass die ersten Mexikaner eintrafen. Auf die Frage, wann das denn hier los geht und wann beziehungsweise ob hier Wind kommt, kam mittags ganz entspannt: ”Ich denke mal hier ist so in 30 Minuten Meldung und dann gehen wir um 13:00 Uhr, mit 15 Knoten, kommenden Wind, aufs Wasser”.
Die Mentalität hier unterscheidet sich komplett von der Deutschen: Alle bleiben immer entspannt. Auch das Wort “wir” muss definiert werden, denn in Mexiko scheint jeder von 14 bis 65 Jahre im Laser Radial zu segeln, so ging ich also mit einer bunten Mischung von Teilnehmern aufs Wasser. Als man mir dann noch beiläufig erzählte, dass dies die mexikanische Meisterschaft der Laser Radial sei, wurde mir auch klar, warum.
Jeder, der schon mal in Valle Del Bravo war, weiß, dass der See durch seine Hufeisen-Form inmitten der Berge von Mexico auf 2,200 Meter Höhe seine Tücken hat und kein einfaches Segelrevier ist. Der Wind dreht hier schnell mal um 180 Grad. Da man nie wirklich eine Seite als bevorteilt hätte bezeichnen können, habe ich das getan, was mir hoffentlich auch Klaus empfohlen hätte: ich bin in der Mitte mit den Drehern hochgekreuzt - auch nicht die beste Wahl, denn in der Mitte gab es keinen Wind - Man musste sich also anhand der Muster für eine Seite entscheiden und auch wenn ein Segler dieses Wort nur sehr ungern in den Mund nimmt, kann man Teile der Wettfahrten als “Glückssegeln” bezeichnen.
So wurde kurzerhand die Kreuz zum Vorwinder und der Vorwinder zur Kreuz - ich bin in meinem ganzen Leben noch nie Vorwind durch ein Ziel gefahren. Ich schaffte es immer mich im guten Mittelfeld aufzuhalten, obwohl die Konkurrenz, besonders mit den vielen Standard-Seglern, war nicht schlecht. Nach drei Wettfahrten und vier Kursverlegungen kamen wir abends erschöpft im Hafen an, bauten die Boote ab und gingen anschließend zusammen im Dorf Tacos essen.
Wie scheinbar jeder Tag in diesem Land begann auch der nächste Tag entspannt, denn auch die Mexikaner hatten mal Unrecht (was ihnen nicht gefiel) - es kam kein Wind. Bis um 14:00 Uhr warteten wir an Land mit aufgebauten Booten bei 32 Grad im Schatten. Als schließlich eine Brise kam, ging es schnell raus, aber nach 20 Minuten war auch dieser Wind wieder weg und es hieß dümpeln und warten. Mehrmals wurden wir gestartet und sofort wieder zurückgerufen, vermutlich weil Papa auf dem Startschiff war ;-).
Um 15:00 Uhr stabilisierte sich der Wind und wir kamen zu einer letzten Wettfahrt. Als ich dann im guten vorderen Drittel durchs Ziel kam, hörte ich eine Mexikanerin mit dem Juryboot reden, dass zwei Boote die Luvtonne nicht gerundet hätten. Auf die Frage, ob sie die beiden kennen würde, sagte sie: ” Klar, das sind meine Brüder!”
An Land verluden wir das Boot und machten uns recht zügig auf den Weg zur Siegerehrung. Mit dem insgesamt 17. Platz war ich sehr zufrieden und hatte keine große Erwartung. Etwas überraschend wurde ich aber für den NRV startend zum “Juvenil 1er Lugar” (Mexikanischer Jugendmeister im Laser Radial) gekürt - klar die „Kleinen“ waren ja hinter mir geblieben, vor mir waren nur die Standard-Segler.
Alles in allem kann ich jedem raten, dieses Land zu besuchen, nicht unbedingt wegen des Segelns, aber wegen der Natur und Kultur Mexikos. Ich selber lebe hier seit letztem August und kann sagen, dass ich hier viel dazugelernt habe, denn man wird hier immer mit offenen Armen empfangen. Um den Segelsport besser zu betreiben und mein Englisch zu verbessern, werde ich ab Sommer in ein kanadisches Internat gehen, aber die Zeit in Mexico und die freundlichen Menschen werde ich nie vergessen.
Alles Gute und Hasta Pronto!
Lucas Neuhäusser (GER 198197)
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